Band 
I. Tomus.
Seite
1197
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r 196_ -der Christen Vollkommenheit.

wil Was für tausent Greuel befinden sich nicht in eines solchen MenschenSeele? Es ist ja/so lang er dieser Sünde nichtMirbet/nnd seine Seele ausihren Fesseln entschlaget/ bey ihme keine wahre Büß über seine Sünden/sonst liesse er diese Sünde fahren; kein lebendiger Glaube an Christum Je-sum / sonst wurde er die Welt in dieser ihrer Luft bald überwinden; keinerechtschaffene Liebe Gottes und seines Nächsten/sonstwurde er jenesen Ge-bott/das hierüber klahr ist / respectiren/und diesem/was ihme rechtmäßigzugehöret / nicht länger vorenthalten ? Mangeln aber eitlem Mensche«diese drey Dinge / ach was gutes und wahrbafftig tugendhafftes kan wol inihme seyn? Das aber nicht allein. Diese einige Sünde/ deren er sich nochmachet zum Sclaven / entdecket klahr hauffige andere Sünden / von denener nothwendig noch/ so wol / als von dieser besessen ist. Da ist er schuldigeiner schreyenden Ungerechtigkeit / in deme er seinem Nächsten raubet denGenuß und die Besitzung dessen / was ihme der ewige Gott selber gesonnenhat. Er ist schuldig einer profanen Geringachtung Gottes. Diesem höchstenGut ziehet er ja vor ein verächtliches eigenes Interesse/dieser unerschöpfli-chen himmlischen Glückseligkeit^ Quell ein Hand voll glitzerender Erden.Er bekümmeret sich nicht/wie er Gott möge gefallen/oder besitzen/in demeer um seinetwillen nicht thun wil ein so geringes. Er ist schuldig einesunfläthigen Geitzcs / der eine detestable Abgötterey ist; einer barbarischenGrausamkeit gegen sich selber / in deme er sich um eines liederlichen zeit-lichen Nutzens willen undcrwirffet der Nothwendigkeit einer ewigen Ungkük-seligkeit; einer gottlosen Hartnäckigkeit/ in deme er sich durch keine Grunde/noch Vorstellungen / weder des Göttlichen Willens / noch seines eigene»Gewiffens/von dieser Sünde los machen wil. Das aber/das gesagt wordenvon einem Besitzer gestohlenen / oder anderen unrechtmäßigen Guts / daskan auf fast gleiche Weise! gesagt und bewiesen werden von einem jede»andern noch unter der Herrschafft dieser oder jener Sünde stehenden Sün-der / von einem Lästerer / von einem Hurer / von einemVertrunckenen / u. s. f.Und dahar bleibet es einmahl dabey / zu der Christlichen Aufrichtigkeitund Vollkommenheit gehöret nothwendig / wie ein aufrichtiger Vorsatz alleGebotte Gottes zuhalten/so auch die würckliche Ausführung dieses Vorsatzes.Und eben darinn unterscheidet sich der wahre und vollkommene / d. i. auf-richtige Christ hauptsächlich von dem Heuchler und Maulchristen. Dieserhaltet/und wil jederzeit nur gern halten einiche Göttliche Gebotte / die-jenige nämlich/die ihme besser als andere aus besondern Ursachen anstehen/mit seinem Temperament mehr überein kommen/bey denen er Ehr / Ruhm/Reichthum/ oder ander indisches Interesse findet. Er dinget hingegen jeder-