7!2 Die Worte Christi beydes hören und thun,
gleichen Thaten zuvollbringen , sonder weicher ab über das von allerUngerechtigkeit , und Jesus kennet ihn / als den seinigen. setzet / jMeine Geliebte / das ist das Portrait eines Menschen / der die Worte des ^
Herren Jesu beydes höret und thut , mit des Heylands eigenen Farben ^
ausgemahlet. Nun folget / daß wir Euch
( 2. ) zubedencken geben / ob nicht ein solcher Mensch mit höchstemRecht für einen weisen und klugen Menschen zuhalten seye ? Gewiß nie-mand kan daran zweifeln / der bedenket/ daß ein solcher Mensch ja wahrlichan sich habe alle diejenigen Qualitäten und Eigenschafften/ welche die klü-gelte Weisheit zu allen Zeiten von einem wahrhaftig weisen Menschen er-fordert hat. Wir wollen/ Meine Brüder/ uns dießfals nicht auf ein all-zuweites Meer hinaus lassen / sonder unsere Verhandlung lieber mit denSchrancken der Zeit / in die wir eingeschlossen / proportioniren/ und nur dieeinte und andere dieser Qualitäten uns zu den dießfals nöthigen Demonstra-tionen auslösen.
«. Eine gewisse Eigenschaft und nöthige Qualitet dann vorderst eineswahrhaftig weisen und klugen Menschen ist diese. Ein solcher Menschpstegt in seinem ganzen Thun und Lassen nur vernünftig / und so / wie es dieNatur der Sachen / und die Kraft der ihm vorschwebenden Gründenerfordert/ zuhandeln. Das aber thut derjenige Menfch/ der obbeschriebe-nem Contrefait gleichet/ und die verdeutete Worte des Herren Jesu nicht-los höret, sonder zugleich thut. Oder/ ich ftage eines jeden meiner klu- jgen Zuhörern eigenes Gewissen/ ist das nicht vernünftig/und wie es dieNatur der Sachen erfordert/ gehandelt/ da wir allzumahl aus eigener innig-ster Erfahrung überführet werden / wir seyen bey allen unsern etwann be-fizenden guten Qualiteten/ Vorrechten/re. und bleiben immerzu vielfältiggebrechliche/ schwache/unvollkommene Menschen/ja Feuer-und Höllen-würdige Sünder/ dieses in Demuth seines Herzens erkennen/ und deßwe- !gen jederzeit arm im Geist bleiben ? Ist es nicht vernünftig/re. gehandelt/ jda wir je über was trauren und uns bekümmern wollen und sollen / solches !thun über dasjenige/ was unserer Traurigkeit und Bekümmernuß am aller- ^würdigsten ist / nemltch über unsere Sünden / undTodundHöllen-Würdig-keit selber? Ist es nicht vernünftig /rc. gehandelt / da der ewige Gott unsein fo theures Mittel / der Hölle» und dem ewigen Tod zuentrinnen /undbey ihm Gnade und Leben zuerlangen/ in seinem eigenen Wort gezeiget/ja uns hiezu die Gerechtigkeit/ das Blut und Leiden seines eigenen SohnSanerbotten/ dieses Mittel im Glauben ergreifen / und nach dieser theurenGerechtigkeit geistlich hungern und dürsten / Da man sich aber auch/
daß