Buch 
Des hocherleuchteten Theologi Herrn Johann Arndts, weyland General-Superintendenten des Fürstenthums Lüneburg ..., samtliche sechs geistreiche Bücher vom wahren Christenthum, das ist: von heilsamer Busse, hertzlicher Reue und Leid über die Sünde, wahrem Glauben, auch heil. Leben und Wandel der rechten, wahren Christen
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361
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Worrede,

! Ueber das Andere Buch dom

Wahren Christenthum.

Leich wie in der Natur, Christlicher lieber Leser, eines Dinze-Untergang des AndcrnAnfang ist: Also gehels auch zu im wah.ren Christlichen Leben. Denn der alte fleischliche Mensch mußzuvor untergehen, sol der neue geistliche Mensch hervor kom-men. Und weil unser fleischliches Leben dem heiligen Leben Christi garzuwider ist, wie im Ersten Buch gnugsam erkläret; so müssen wir janothwendig unser fleischlich Leben verlauqnen,ehe wir das geistliche Le-ben Christi ansahen, oder demselben nachfolgenkönnen. Als zum Epem-! pcl: Du muhst ja zuvor aufhören hoffäctigzuseyn, ehe du ansähest' demüthig zu werden. Darum muß das geistliche Christliche Leben noth-j wendig von der Busse angefangen werden. Um diser Ursach willen istI das Erste Buch also verfasset, wie aus der Ordnung der Capiteln befiel-! den und aus dem Beschluß zu vernehmen. Demnach aber in diesem An-dern Buch die Lehre von der Busse in etlichen Capiteln widerhalletwird, muß ich dessen Ursach, neben der Ordnung dieses Buchs, kürtz-lieh andeuten. Weil das Haubtstuck des Ersten Buchs beruhet in Er-kännrniß deS abscheulichen köstlichen und verdaulichen Gissls, der Erb-Sünde, welches nicht gnug kan erkannt werden; so muß nothwendigdiß Andere Buch angefangen werden von unserm ewigen Heil-Brunnen,Jesu Christo, in welchem wir wider gedachtes greuliches Gisst der ange»bohrncn Sünden , und allen daraus gucllenden Jammer und Elende,Artzney und Hülff durch den Glauben finden. Solches ist in dem i.s.und z. Capitel dieses Ander» Buchs begriffen.

Weil aber der Glaube, welcher solche Güter aus dem Gnaden-Bruit-nen Christo Jesu schöpfet, lebendige Früchte bringen muß, so sind die-selben in de« 4. s. und 6. Capitel beschrieben. Sollen aber die Früchteder Gerechtigkeit und Geistes in uns wachsen, so müssen die Früchte de-Fleisches untergehen. Und das ist die tägliche, wahre, würckliche,rechtschaffene Busse, darinn ein Christ siäts leben, und sich üben muß,sol anders das Fleisch getödet werden , und der Geist in uns herrschen,Darzu ist vonnöthcn ein klahrer Bericht vom Unterscheid des Fleischesund Geistes, und von den Eigenschafften der täglichen Busse. Daraufgehet das 7. 8 - 9- und ic>. Capitel. Weil aber aus solcher täglichenBusse und Tödtung des alten Menschen, (denn euies wahren Chri-

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