494 Von der Erfahrung.
Der Neid äussert seine Wirkungen schon beyKindern. Sie werden nicht selten wegen einemandern etwa ihrer Meinung nach zu werthen Kin»de ganz elend und mager, und verfallen leicht ineine Dürrsucht. Der Neid nimt überhaupt dieEßlust, macht schlaflos, und zu sieberischen Be-wegungen geneigt. Er giebt dem der versäumthat seine Talente anzubauen, und es darum füreinen Unbill hält wenn er von andern beschämtwird die besser damit hausgehalten , ein schwer-müthiges, ungeduldiges, schnaubendes, banges,und engbrüstiges Wesen, so oft er andere im Be-size von Vortheilen sieht, die er seiner Meinungnach allein besizen solle. Der gute Name dieserMenschen, an denen er sich mit verstellter und inseinem Herzen nicht liegender Verachtung und Ver»kleiuerung zu rächen sucht, hängt wie ein Schwert»an einem Härlein über seinem Haupte. Er möchteandere jede Stunde martern, und er selbst ist jedeStunde gemartert. Oft bildet er sich ihr Glükoder Ruhm grösser ein als sie es sind, und dochnähren diese Einbildungen einen unauslöschlichen
Gram