zweytes Capitel. i;
der Arm zu bewegen sey, um mit einem Stein einentferntes Ziel zu treffen; durch die Uebung gelangtman zur Fertigkeit. Man lernt freylich durch dieUebung eine Flinte so wohl führen als einen Ham-mer oder eine Art, aber ma» sich vorlänast daß eseben so lächerlich wäre, von der bloffen Uebung einenGeneral zu erwarten, als einen Palladio unter denHandlangern eines Maurers, oder einen Newtonunter einer Schaarwachc.
Die Handwerke werden durch die Uebung erlernt.Aber man kann dem Handwerker Begriffe gebendie er durch die Uebung nicht erwirbt. Der Pö-bel verwechselt die Ausübung der Arzncykunst mitder gewohnten Ausübung der Handwerke, eineWissenschaft des Geistes mit einer Fertigkeit derFinger.
Man liebt die alte Uebung wenn man alles neuehaßt. Alte Leute rühmen oft so sehr das vergange-ne / daß man glauben würde es haben sich in ihrenZeiten keine Dummköpfe gefunden, wenn sie zumUnglück nicht das Gegentheil bewiese». Jede neueWahrheit ist ihnen zuwider, weil sie ihren vorge-faßten Meinungen widerspricht; sie wollen nicht daßandere klüger seyen als sie, sie machen sich auf ihremalten Wege fest, damit sie niemand auf neue führe;oder sie halten alle von ihren Vorfahren auf sie fort-gesetzte Anstalten für unverbesserlich, ihr Gewissenerlaubt ihnen nicht davon abzugehen, unsere Altenhaben es so gemacht und unsere Alten dachten auch.Jeder schlechte Kopf verwechselt die Wahrheit mit