Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
46
JPEG-Download
 

drittes Capitel. ;;

stö Vorwurfes zu bemerken und zu unterscheiden;sie fodert endlich die Gabe über das gesehene zu den-ken von den Erscheinungen auf die Ursachen, vondem Bekannten auf das Unbekannte zu kommen,also in alles tiefer zu dringen, und in dem Offen-baren das Verborgene zu finden. Die Gelehnam-keit giebt uns die historische Kenntnis;, der Beob-achtungsgeist lehrt uns sehen, das Genie schlieffen.

Die Gelegenheit vieles zu sehen macht also nochkeine Erfahrung , weil das dumme Anschauen ei-ner Sache nichts lehrt, und weil auch die geschickteBeobachtung derselben noch nicht alles ist, was mandurch Erfahrung versteht. Wer nicht weis woraufer sehen soll, w>er der Kunst zu sehen und über dasgesehene zu denke-n nicht mächtig ist, kann alle Län-der der Erde durcchreiset haben und kein einziges ken-nen; er kann ei>ne noch weit beträchtlichere Reise,die Reise durch das menschliche Leben gemacht ha-ben, und nichts in den Herzen der Menschen sehen;er kann zwanzig Jahre in Canzlcyen schmachten,zwanzig Schlachtn mitmachen, zehntausend Kran-ke besuchen, und immer in der Staatskunst, in derKriegskunst unerfahren seyn. Die wahre Erfahrunghängt hauptsächlich von dem Kopfedes Menschen ab,der erfahren will.

Ich setze darum der falschen Erfahrung die wah-re Erfahrung entgegen. Ein Mensch der nur diefalsche Erfahrung hat, wußte entweder gar nichtworauf er sehen sollte, oder er gab steh die Mühenicht mit der nöthigen Aufmerksamkeit zu sehui,

C