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drittes Capitel.
be unS die Mittel der Krankheiten entdecket; diewahren Aerzte ^kennen, daß man zwar durch denblossen Zufall viele Mittel entdecket hat, aber daßdiese Entdeckungen durch die Vernunft oft geleitet,immer fruchtbar gemacht, und zur Vollkommenheitgebracht worden sind. Die Empiriker suchen Wun-derkräfte in der mannigfaltigen Zusammensetzungder Mittel; die wahren Aerzte finden mehr Gewiß-heit in der Einfalt als in der allzuweitschweifigenZusammensetzung. Die Empiriker rühmen fich derErfahrung , weil fie glauben man habe die Krank-heit gesehen, wenn man den Kranken gesehen hat,man habe Erfahrungen gemacht, wenn man um dieKranken hernmzappelt ohne ihre Krankheiten zu ken-nen, und ohne Ordnung und Methode alle Mittelgiebt die man hat; die wahren Aerzte behaupten daßman ohne die ernsthafteste Vorbereitung nicht ein-mal Kranke sehen soll, daß man ohne die schärfstenAugen in dem Kranken nichts sieht, daß man ohneden schärfsten Verstand zu seinem Besten nichts denkt,und daß allein die wahre zur Ausübung gebrachteTheorie die wahre Erfahrung giebt.
Mein ganzes Werk von der Erfahrung ist alsodem Pöbel überhaupt, und insbesondere den heu-tigen Empirikern, oder prächtiger zu reden denPrac-ticis entgegengesetzet; denn jeder Empiriker nenntsich in unsern Zeiten einen Practicus, und ich ver-stehe allemal durch Practicus einen Empiriker.