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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
58
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Zweytes Buch, erstes Capitel. 4;

samkeit, wenn wir die Fähigkeit und den Willenhaben, theils durch das Lesen theils durch den Um-gang mit wahren Gelehrten das Wahre zu suchen.Man bemühet sich gelehrt zn werden , weil man ver-mittelst der Gelehrsamkeit durch andere lernt, wasman durch sich selbst nicht lernen kann. Die Din-ge die andere erzählen sind uns eigen , andere Be-griffe verweben sich mit unsern Begriffen und schei-nen in uns selbst erzeuget zu seyn, wenn wir ge-lehrt sind.

Die wahre Gelehrsamkeit ist der Reichthum desWeltweisen, und die Erfahrung setzet sie zum vor-aus. Wir müssen die Geschichte und die Kennzei-chen der Dinge wissen, eh wir sie in der Natur be-merken können. Der gröste Geist lernte durch sichselbst die Natur der Krankheiten allzuspät erkennen,wenn die Schriften der Aerzte ihm die ersten Li-nien dieser Kenntniß nicht zögen. Er würde vonseiner Laufbahn zurückgeschcüt, wenn ihm die Wis-senschaft nicht zuweilen für Erfahrung gicng.

, Ohne die Beyhülfe der Gelehrsamkeit ist selbst dasGenie schädlich, weil man den Kräften desselben al-lein überlassen in der Nnermcßlichkeit der Dinge he-rumfliegt , ohne zu sehen wohin man fliegt. Wirmüssen das Bekannte wisse» eh wir das Unbekanntesuchen, wir müssen von anderer Erfahrung unter-richtet , durch anderer Gedanken erläuchtet, auf an-derer Flügeln getragen werden, wenn wir stlbst §r-^ finden sollen. Der Geist ist unendlich selten, der ei«