Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
79
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66 Zweytes Buch,

theil des Celsus nicht nur in der Arzneykunst son-dern auch in der Beredsamkeit groß; obwohl er alsein Meister für Meister, kurz und fein, aber zier-lich und nur für Verständige verständlich geschrie-ben. Fricnd sagt, die alten Aerzte seyen nicht nurin ihrer Kunst vortrestich, sondern durch alle Ar-ten der menschlichen Kenntnis erläuchtet im Schrei-den so groß als im Denken gewesen, kein Griechi,scher Arzt habe von dem Hippocrates bis auf denPaulus schlechter geschrieben als die besten Köpfeseiner Zeiten, und zuweilen seyen die Aerzte sogardie besten Schriftsteller ihrer Nation gewesen. Fer-ne! , Sydenhani, Friend, Mead, und vorzüglichBocrhaave schrieben so schön als sie dachten, undheilten so gut als sie schrieben. Anton Cocchi hatdurch seine Tofcanische Difcurfe erwiesen, wie vielAntheil jeder Leser an den Werken eines Arztesnehmen muß, der mit einer gesunden und über al-le Vorurtheile der Scctcn erhabenen Philosophie,die Litteratur , den Geschmack und die Zierlichkeitder Schreibart verbindet, der selbst seinen medici-nischen Werken einen moralischen Schwung giebt,und immer mehr sagt als er zu sage« scheint. -Die Gelehrsamkeit macht durch die Verbannungalles Müßiggangs und aller Trägheit den gelehrtenArzt zu Geschäften immer mehr geschickt. Sie ent-reißt ihn des Irrthums gebahntem Pfad, nnv istder Gegengift des pöbelhaften Hanges für die blin-de Uebung , dieser sclavischen Hochachtung für dieVorurtheile gedankenloser Köpfe. Sie legt ihm