drittes Capitel. 7;
Wie mehr wir über jeden Fall Beobachtungenwissen, desto geschickter sehen wir in jedem Fall.Ein Arzt der nicht liest , kann nur eine unendlichkleine Anzal Krankheiten durch sich selbst kennen,weil er oft die gleichen Krankheiten, und viele sehrselten sieht; er kann darum den eigentlichen Werthder Umstände nicht bestimmen, er weis nicht wasunschädlich und was gefährlich ist ; er zittert beyder besten Hosnung , und findt den Kranken in denblassen Armen des Todes, wenn er glaubt er seygeheilt. Wer nicht weis , daß in einer Krankheitder gleiche Umstand nützlich und in einer andern ge-fährlich seyn kann, sieht dem nützlichen Umstand ent-gegen und läßt dem gefährlichen seinen Lauf.
Die Krankheiten haben nur zu oft etwas so eige-nes, daß ohne den Unterricht der Bücher uns nichtsunterrichtet, als der Tod des Kranken. Man weiswie viel sich unsere Practici auf ihre Unthätigkcitbey Wechselfiebern einbilden; indeß giebt es bey unswie in Deutschland Wcchsclfieber, die in dem drit-ten oder vierten Anfall durch einen Schlagfluß tödt-lich werden; ein Arzt dem die Zeichen dieser Fieberaus dem Torti und dem vortreflichen Werke desHc-rrn Wcrlhof bekannt sind , hemmt sie gleich an-fangs und errettet den Kranken ; ein Practicus dernicht liest, gähnt gelassen bey jedem Anfall, undsieht erstaunt bey dem dritten oder vierten den Tod.Der Herr von Haen hat nut einem heftigen Bauch,schmerzen begleitete dreytägige Fieber gesehen, diebey dem dritten Anfall tödtlich geworden. Er giebt