9» Zweytes Buch,
zes sagt, wir machen uns erst denn mit Recht voneinem Arzte einen gute» Begrif, wenn wir wissen,daß er die Schriften seiner Vorgänger mit Fleißund Einsicht gelesen, und sich alle Mühe gegeben die-selben mit einander zu vergleichen. Ich wolle lie-ber, setzt dieser scharfsinnige Araber hinzu, ein Arzthätte eher gar keine Kranke gesehen , als daß ernicht wüßte was die Alten gejagt und geschrieben;aber sobald er ihre Schriften wohl gelesen und wohlverdank hat , wird er mit einer geringen Praxisweiter kommen, als der Practicus in seinem gan-zen Leben.
Anderer Erfahrung ist zuweilen in Fällen diewir doch oft unter Augen gehabt besser als unsereeigene Erfahrung. Emc Krankheit nach Boerha-vcs Beschreibung in Kopfe haben, ist für einenArzt der nicht ein Beobachter von dem ersten Ran-ge ist, besser als sie nach seiner eigenen Erfahrungim Kopfe haben. Man merkt nicht immer auf alleUmstände, und sieht nur zu oft mit eigenen Augenso gut nicht als mit freinden. Bacon der Lehrerdes menschlichen Geschlechtes sagt, die Erfahrungwäre beynahe unnütz, wenn wir über die kleinstenDinge Bücher hätten.
Dieser Satz scheint paradox. Indeß habe ichsehr oft, nachdem ich eine Krankheit mit der mög-lichsten Sorgfalt beobachtet , nach vielen wieder-holten Beobachtungen gefunden , daß unsere gros-sen medicinischen Schriftsteller mehrentheils alles ge-sagt und sehr oft weit mehr gesagt, als ich gest-