Drittes Buch,
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Menschen handeln sehen, wenn wir wissen wollenwie sie denken.
Jede Handlung hat ihre Triebfedern. Man ge-langet zu der Kenntnis dieser Triebfedern durch ei-ne vielfältige Beobachtung der Gemüthsart der han-delnden Personen, ihrer Ideen , ihrer Leidenschaf-ten und der aus denselben fliessenden Tugendenund Laster, durch eine scharfsinnige Prüfung ihresBetragens unter vielerley Umständen , durch eineimmerwährende Auseinanderlcgung des unterschie-denen und Zusammensetzung des ähnlichen, durcheine endlose Untersuchung der Abhänglichkeit derTheile und Vergieichung unter sich und mit demganzen.
Ein gemeiner Geist sieht nur was unmittelbarin die Augen fällt, ein aufgeklärter Geist bringtüber die dunkelsten Vorwürfe Licht, und durchdringtdurchaus das wahre und falsche. Keine Regungin den Herzen der Menschen entgeht einem guten Be-obachter , der nicht wie mehrentheils der Weltmannimmer sieht und niemals denkt, der nicht wie meh-rentheils der Philosoph immer denkt und niemalssieht, sondern nach der gehörigen Vorbereitung dieKenntnis der Welt in der Welt sucht, der sich in al-le Handlungen der Menschen einmischt damit erselbst sehe wie sie handeln; der bald in die Welkkommt, bald aus derselben zurücktritt, immer un,ter den Menschen aus und ein geht, seine Beo-bachtungen in ihrem Umgänge macht, wiederholt,