erstes Capitel. ir;
der sie nicht kennt, durch die Erfahrung entschieden.Der Arzt der die Wege der Natur gefunden , dersie täglich geht, der sie im dunkeln sieht, und dieAerztin die sie nie gekeimt, nie betreten, und nie ge-rochen hat, berufen sich auf die Erfahrung. Nurdem geziemet es auf feine Erfahrung sich zu berufen,der den Beobachtungsgeist in seiner ganzen Stärkebesitzet, der ihn mit der äussersten Genauigkeit ge-braucht , und von Vorurtheilen und Leidenschaftenfrey die Natur in der Natur sieht.
Die aus dem ungleichen Maasse des Beobachtungs-gejstes Messende Zwistigkciten der Aerzte sind ein Ver-wand der Ungewißheit unserer Kunst. Ein Kranker,der zwanzig Aerzte um sein Bett hat, sieht mit be-klemmter Brust die Verschiedenheit ihrer Meynun-gen , er schließt die Arzneykunst habe keine Grund-sätze, weil die Aerzte keine haben, es finde sich keineguteMethode, weil jeder glaubt die seine sey die beste.Hippocrates sagt, ein Arzt heisse sehr oft gut was einandrer verwirft, und dieses setze die Kunst den Ver-läumdungcn des Pöbels aus, der sich darum einbil-det nichts sey so eitel als sie.
Voll Ungcdult über ihre Leiden, fodern die Men-schen eine unwankelbare Gewißheit in allen Handlun-gen des Arztes, eine Gewißheit die man mit Aus-nahme der reinen Mathcmatick in keinem andernTheile der menschlichen Kenntnis findt. Alles wasuns die Sinne versichern, alles was aus einer rich-tigen Induction fließt, alles was wir unmittelbarin unsern Ideen sehen, ist wahr. Das ungewisse