r?o Drittes Buch,
Vater der Arzneykunst am meisten gesehen hat, weiler mit der Lehre von den Pulsen nur gär wenig be-kannt war.
Als ein Zeichen ist der Zustand des Athems vonder grösten Wichtigkeit , insofern er uns besondersin hitzigen und langsamen Brustkrankheiten auf dasinnere Wesen dieser Krankheiten führt. In hitzigenFiebern, die mit keiner Brustentzündung begleitetsind und sogar in der Pest , darf man auf den Zu,stand des Athems als ein Zeichen nicht durchaussehen, weil die Anzal der Pulse gar sehr steigen kann,ohne daß sich darum die Anzal der Athemzüge ver-mehre.
Es ist zwar nicht zu läugnen, daß man in dem ge-sunden Zustande bey einer gegebenen Anzat Pulseeine fast bestimmte Anzal Athemzüge benierkct, unddaß insgemein in einer Minute achzig von jenen zwan-zig von diesen begleiten. Weil nun diese ober eineandere gegebene Verhältnis bey Vermehrung der Pul-se in einigen Beobachtungen geblieben, so schloß mandie Zal der Athemzüge verhalte sich durchaus wie dieZal der Pulse. Allein der Herr von Haller hat erwie-sen , daß sehr langsame Athemzüge zugleich mit einersehr langsamen und mit einer geschwinden Bewegungdes Blutes bestehen können, insofern der Puls kleinist und wenig Blut auf einmal indieLungen kommt.Hingegen müssen die Athemzüge geschwind auf ein-ander folgen , wenn auf einmal viel Blut aus deinHerzen fliest, das freilich seinen Weg durch die Lun-ge» nimt.