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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
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361
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Viertes Buch,

und der Kriegskunst in die gleiche Classe gcsctzet , weilsie von den gleichen Fähigkeiten der Seele und vonder gleichen Art Genie abhängt. Ein Arzt ist in demeigentlichsten Verstände ein eben so erhabener Geistals ein grosser General, und darum ist ein hoherGrad der Vollkommenheit in der Kunst zu heilen ebenso selten , als ein hoher Grad der Vollkommenheitin der Kunst zu töben.

Das Genie des Arztes sucht durch die Auflösungder Erscheinungen, die von dem Beobachtungsgei«sie bemerket worden, das Wesen und die Grundei-genschasten der Krankheiten und aus den Wirkun-gen die Ursache» zu entdecken, aus diesen aufdie An-zeigen zur Heilung, auf die Methoden und die Mit-tel , und bey derselben Gebrauche hinwieder aus derKenntnis der Ursachen auf die verborgene Umstän-de ihrer Wirkungen zu kommen. Oft sind dieseGrundeiqenschaften verwickelt und ungewiß.

Jede Krankheit fällt nicht gerade in die Augen.Sehr seilen entwickeln die Klagen des Kranken unddie beste» auf diese Klagen sich beziehenden Fragendes Arztes das Wesen einer Krankheit. Man mußdarum alle Umstände mit der äussersten Scharfsichtüberlegen, und aus diesen Umständen seine Schlüssesehr oft nach dem höchsten Grade der Wahrschein-lichkeit ziehen. Das Genie der Arzneykunst ist alsoin seine Mn Begriffe aufgelöset, die Kunst einegrosse Menge zerstreuter Begebenheiten plötzlich zuübersehen und zu verbinden, von diesen Verbindun-gen auf lichtvolle Schlüsse, von dem bekannten auf