zzo Viertes Buch.
der seine Unwissenheit verbergen will, sondern dieUnmöglichkeit von der Wahrheit einer Sache diefalsch ist sich zu versichern, macht den Philosoph dieUntersuchung ihrer Ursachen verwerfen. Alles wasnach den Vorurtheilen und Meynungen des Pöbelsmöglich ist, muß wirklich seyn sobald es seine Vor-urtheile und Meynungen bedürfen.
Die Ursachen werden von dem Pöbel falsch beur-theilt, weil er nicht fähig ist einen zusammengefaß,ten Begriff zu entwickeln , oder selbst eine Beweis-rede zu führen, die allemal eine Zusammenfassungvieler einzelen Urtheile ist, und mehr Nachdenkenserfodert als ein einfaches Urtheil; oder er urtheilt auchfalsch weil er falsch urtheilen will. Der Herr vonHaller sagt vortreflich, in einfachen Begriffen dienichts sich selbst ungleiches enthalten urtheile mannicht falsch, niemand vermenge die himmelblaueFarbe mit der rothen; aber man fehle in zusam-mengesetzten Begriffen, deren Wesen in der Verbin-dung vieler sich selbst ungleichen Theile liegt. Manwill sich nicht alle einfachen Theile zweyer zusam-mengesetzten Begriffe merken ehe man urtheilt, weilvor einer solchen Gedult dem Hochmuth und der Träg-heit eckelt. Man irret aus Hochmuth, wenn manentscheiden und andere lehren will, da man selbstnicht gelernt hat. Man irret aus Trägheit, wennman sobald als ein einziger Theil eines zusammen,gesetzten Begriffes mit einem einzigen Theile des an-dern übereinkommt, schließt, alle kommen überein,da doch die übrigen alle einander zuwider sind. Der