zehntes Capitel. 6c>7
Viele leben in der tiefsten Unwissenheit über dieseUebel, deren Quelle der Arzt sehr selten zu zeigenwagt. Einige wissen der Schönheit kein würdige-res Opfer z» bringen; andere sagen , ihre Weiberwären ohue diesen Theil der Diät nie gesund; an-dere fürchten, sie würden ohne diesen nächtlichenZins gar seltsam, zu läunig, zu rappclköpfisch; an-dere wollen endlich noch am liebsten selbst die Vä-tcr ihrer Kinder seyn. Der allzuhäufige Beyschlafist vorzüglich schuld, daß die Einwohner der hcissenLänder schon in der Jugend alt sind, schon im fünfund dreißigsten Jahre ihre Zeugungskräfte verlieren,und im vierzigsten aussehen wie Meerkatzen.
Die schwächende Hitze der südlichen Länder kanndie Ursache dieses voreiligen Alters nicht seyn, weildie Brammen zu einem hohen und gesunden Altergelangen, wenn sie sich des Beyschlafes enthalten.Aber die ausserordentliche Hitze zeugt insgemein ei-ne ausserordentliche Neigung zum Beyfchlaf. DieOstindianer erstaunen darum so sehr über den inEuropa so ungezwungenen Umgang zwischen beydenGeschlechtern, und wenn man ihnen sagt, wir zäh-len auf die Tugend unserer Weiber, so geben sie zurAntwort, es sey nicht zu hoffen daß die allzunahean das Feuer gebrachte Butter nicht schmelze. Bos-mann sah die Negern von Guinea sich schon in ih.rer zärtestcn Jugend diesem Triebe der Natur über-lassen, und er versichert, nichts sey in diesem Lan-de so selten als ein Mädgen das sich noch der Zeit