68« viertes Buch,
Lieder singt, oder von der Abwesenheit der gewünsch-ten Person spricht. Ihr ganzer Leib zehret ab, nurdie Augen nicht, die zwar zurückgezogen, aber vondem vielen Wachen und Seufzen dennoch geschwol-len sind. Alle Gemüthsbewegungen sind unordent-lich. Der Puls ist ungleich und verwirrt, er ver-ändert sich am meiste» wenn man der verlangtenPerwn gedenkt, oder wenn sie plötzlich erscheint.Aoicenna sagt gerad heraus, wenn keine andereHülfe möglich ist als die Vermischung der geliebtenPerson mit der liebenden, so sey es gut daß sie ge-schehe, wenn die Umstände es erlauben; denn erversichert er habe einige Liebende gesehen zu ihrervorigen Gesundheit und ihren vorigen Kräften kom-men , wenn die geliebte Person sie kaum berührethabe, da sie doch schon ganz ausgezehret und dürr,mit einem langwierigen Fieber geplagt, und durchdie Macht der Liebe aller ihrer Kräfte beraubet wa.ren. Der Sohn des Sina setzt sehr wohl hinzu,diese Wiedergeburt vollführe sich in einer so sehr kur-zen Zeit, daß allerdings hieraus die Gewalt der Lei-denschaften auf den Körper erhelle.
Der Neid äussert seine Wirkungen schon bey Kin-dern. Sie werden nicht selten wegen einem andernetwa ihrer Meynung nach zu werthen Kinde ganzelend und mager, und verfallen leicht in eineDörr-sucht. Der Neid nimmt überhaupt die Eßlust, machtschlafloß, und zu fieberischen Bewegungen geneigt.Er giebt dem der versäumt hat<eine Talente anzu-bauen , und es darum für einen Unbill hält wenn