7->6 viertes Buch,
trud aus Sachsen, eine Dame aus dem cdeln Ge-schlechte der Grafen von Hakeborn und Aebtißin desMansfeldischen Klosters Hclffde, ricfimdreyzehntenJahrhundert in ihrer kältern Entzückung aus: O Ga.de welche über alle Gaben ist, in dieser Apotheck vonden Gewürzen der Gottheit so sehr gesättigt, undin diesem lustigen Weinkeller der göttlichen Liebe soübcrsinßig trunken, ja so voll zu werden, daß mannicht einmal den Fuß bewegen kann!
Einen ähnlichen Wahnsinn sieht man stufenweiftbey allen Menschen entstehen, die ihrer überspann-ten Einbildungskraft allein überlassen ihre Bestim-mung und ihren Schöpfer miskennen, und uner-läuchtctcn Ohrenbläsern mehr glauben als der Quellealles Lichts, dem Heiland , und der Schrift. Nichtssoll uns billig so sehr am Herzen liegen als Gottgefällig zu leben, aber mannigfaltig, widersprechend,und verworren sind die Wege, welche man so oft zudiesem Endzwecke wählet, und zu wählen lehrt. Esscheint zwar der Vernunft gemäß, seine Hofnungnicht so sehr auf ein blosses Religionsgcvräng, aufeine gesuchte scheinheilige Sprache und Gcbärdung,auf eine gezwungene abergläubische Acngstlichkeit,oder auf die feine Täu fcherey einer moralifchen Ent-zückung zu lehnen, als aufdic durchgängig herrschen-de Nichtigkeit des Herzens und des Lebens, aufdenreinen und ruhigen Frieden der Tugend, auf einChristenthum das sich durch ein beständiges gewissen-haftes Betragen zeigt. Allein erst denn sängt dieEinbildungskraft an recht zu wirken, wo die Der-