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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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746
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vierzehntes Capitel. 7;;

und ihrem viel zärtern Baue/ einer Menge wichti-ger Krankheiten ausgesetzet. Ihr Schicksal ist un-streitig weit trauriger als das Schicksal der Män-ner/ und darum sollen auch die Aerzte sich vorzüglichbefleißen die Krankheiten der Weiber zu studieren.

Unter die Krankheiten des weiblichen Geschlechteszählt man »ach den Uebeln denen es überhauptausgesetzet ist/ die besondern Krankheiten der Jung-fer»/ der Schwängern/ der Gebührenden/ derWöchnerinnen / der Säugenden / und der altenWeiber. In die Zal der Krankheiten zu welchensie wegen ihrem zärtern Baue geneigt sind / gehörendie Krankheiten der Nerven, vorzüglich die Mutter-krankheit und die Melancolie/ von welchen ich eineigenes auf die Beobachtung und Erfahrung ge-gründetes Werk vorlängst zu schreiben angefangen,und der Wahnwitz. Der feine/ anmuthige, undscharfsinnige Lucian sagt sehr wohl, die Weiber sindzärtlicher/ schwächer/ und überhaupt weit mehr zuKrankheiten geneigt als die Männer/ aber beson-ders zu dem Wahnwitz, weitste wegen ihrer Flüch-tigkeit, ihrer Schwachheit, und Unbeständigkeit, dieSchranken der Vernunft geschwinder überschreiten.

In der Beschaffenheit des Körpers überhauptgiebt nichts der Reihe der gelegentlichen Ursachen zuHervorbringung der Krankheiten so sehr Anlas,wie das Temperament. Ich verstehe durch Tempe-rament diejenige Beschaffenheit des Hirns und derNerven »ach welcher der Mensch empfindt, denkt,und handelt, insofern er dieser körperlichen Trieb-