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Grundliche und Schrifft-mässige Abhandlung des VIII. XI. und XII. Capitels der Epistel St. Pauli an die Römer / wie selbige in offentlichen Predigten vorgetragen, und nun auf Begehren dem Druck übergeben worden durch Johann Heinrich Friess, Pfarrer der Kirch bey St. Peter
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4^4_ Die Neun und Vierzigste Predigt, _

wüß beredet, daß ermächtig ist, meine vertraute Hinterleg zube-«,Tm.i:ir. wahren, biß aufjennen Tag. Das nun ltget den Lchreren der Römi-schen Kirchen nicht recht. Sie müssen darwider eins und das andere einzu-streuen , welches wir , weil dise Matcrj nicht allezeit vorkommt, und dochvon der höchsten Wichtigkeit ist, kirchlich beantworten müssen.

Vorderist sagen sie, daß das Wort bedeute nicht allezeit in der

Schrifft eine völlige Zuversicht, sondern auch etwanncine muthmaßltcheHoffnung, die man von einer Sach habe, die aber endlich fehlschlagen kön-ne. Als wann der Apostel an seinen Dmotheum schreibe: Ich bin dessengewüß beredet, daß der ungegleichßnete Glaub, der in deinerGroß-.. Mutter Loide, und in deiner Mutter Eunice gewöhnet hat, auch''' in dirseye : Das sagen sie, seye bey dem Apostel nur gewesen prob^Usconjeöiurs, ein gutes Zutrauen, das er zu Timotheo gehabt. Wir könn- ,ten darauf antworten: Auch hier bedeute es eine gäntzliche Gewüßheit:Dann obgleich der Apostel kein Hergenkündiger war , und niemandweißt, was im Menschen ist, dann nur der Geist des Menschen, deri.Cor.-ni. in ihm ist, so könnteder Apostel eine völlige Sicherheit haben, von demungegleichßneten Glauben Timothei, weil ihme sowohl als den übrigeni.Cor.iir Apostlen gegeben war das Underscheiden der Geisteren. Wir wollen" aber liberal seyn, und zugeben, diß Wort bedeute hier nicht eine gäntzlicheSicherheit, sondern einfältig ein Urtheil, das auß brüderlicher Liebe ge-flossen, welche von dem Nächsten allezeit das Bessere hoffet; folget darum,es werde nirgends von einer gäntzlichen Gewüßheit, die keinen Zweiffelübrig lasset, in der Schrtfft genommen, insonderheit, wann einer von sichselbst und seinem eigenen Heil redet. Einmahl, so wird es undisputterlichgenommen, wann der Apostel sagt: Ich weiß , und bin dessen gewüß»km.iitt«. beredet in dem Herren Jesil, daß nichts an ihm selbst gemein ist.

Sie geben noch nicht gewunmn, sondern sagen: Wie kan Paulus hiereine gäntzliche Gewüßheit verstehen, da er doch selber anderstwo an seinerSeligkeit gezweifflethat, als wann er an seine Corinther geschrtbeti: Ichbezähme meinen Leib, und zwinge ihn under die Lnechtschafft, aufdaß nicht etwann ich, der ich anderen predige, selber verwerfflichi.eor.s-,7. werde; der da muß förchten,daßer möchte verwerfflich werden, wie kander seiner Seligkeit gewüß seyn? Wir könnten antworten: Es werde hienicht von der ewigen Vcrwetffung geredet, sondern von dem, daß der Apo-stel, wann er seinem Leib zuvil gezärtlet, zum Predig-Dienst hätte mögenuntüchtig gemachet werden. Wir übergehen aber das mit Stillschweigen,und sagen: Die heilige Sorgfalt des Apostels zeuge eben von der Gewüß-heit seiner Seligkeit r Dann wer sich hütet vor allem dem, das den Men-schen