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schlechts von Unmenschen ferner preisgeben. An-statt schöner Künste und nützlicher Wissenschaften,herrschet in Welschland ein theologischer Unsinn, dersich mit Controversen beschäftigt, und nicht alleinseine Schüler, sondern die ganze Nation in Par.theyen theilt, wovon eine die andre verfolgt; unddaher Aufruhren, Zwietracht, Ränkeschmiedereyund andre für den Staat schädliche Folgen entste-hen. Alle diesen Uebeln kann nur durch Duldungaller Seckten, und dadurch gesteuert werden, daßeinem jeden vergönnt wird, durchaus nach seinerWeise zu denken Die Ausübung böser Thaten,und die Ausbreitung von Lehren, welche dem Staatund den guten Sitten schaden, müssen allein ver-boten seyn. Diese Duldung verschiedener Reltgio-nen zeuget eine Kaltblütigkeit in den Gemüthern,welche die Mutter des Friedens, der Ruhe, undwechselseitigen Liebe ist, ohne die weder Künste blü-hen, noch Länder glücklich sind.
Eine jede Religion, welche einen einigen Gottglaubt, die Tugend gebietet, und zukünftige Be-lohnungen und Strafen festsetzt, ist für das Wohl-seyn des Staats uno die allgemeine Sicherheit hin-reichend. Verdient nach diesem eine solche Religiondas Mißfallen des höchsten Wesens , so stehet esihm zu die Irrenden zu straffen; wir wollen seinerRache nicht durch die unsrige zuvor kommen. Diewahre Religion herrschet über die Geister, nicht überden Leib : Sie muß durch Ueberzeugung und nichtmit dem Schwerdt fortgepflanzt werden. So dach-