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was waren meistens diese ihre Helden ? FantastischeGesellen, die sich entweder ausgehungert wie Galee-rensklaven, oder wie Wahnwitzige gegeisselt, odergleich den Thieren des Waldes in Einöden gelebt,kurz, sich durch irgend eine Narrheit berühmt gemachthaben? Hingegen finden wir unter der Zahl dieserHeiligen nicht einen, der sich durch trefliche Thaten,durch guten Rath, durch seine Weisheit, Uner-schrockenheit oder Großmuth, durch Freygebigkeit,Menschenliebe, und ein vorleuchtendes Beyspiel al-ler Tugenden, um seinen Nächsten, um sein Va.terland, um seinen Landesherrn verdient gemachethätte; keinen der seine Kräfte und Bravour daraufverwandt hätte, den Staat gegen auswärtige Feindezu schützen, oder solchen von einheimischen Böse-wichtern und Ränkeschmieden zu säubern; keinender es sich zum Hauptaugenmerk gemacht, das Ge.meine Wesen durch gute Staats- und Civilgesetze,oder durch heilsame Anstalten blühender und glück-licher zu machen. Und doch, wenn wir nach denVorschriften Gottes und der gesunden Vernunft ur-theilen wollen, so sind diese letztere allein ächte Hei-lige ; jene aber dürfen wir für nichts mehr und nichtsweniger als für gute einfältige Leuthe achten, wel-che mit Nichten die Verehrung des übrigen Men-schengeschlechtes verdienen, am allerwenigsten aberin Gottes Augen etwas vorzügliches haben können. —So lang also Schwärmer oder Betrüger die Verfas-ser der Legenden und Andachtsbücher sind , so langsollen sie aus unserm Welschlande verbannt bleiben,