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Von einer Reformation in Italien : oder von den Mitteln, die gefährlichsten Missbräuche und die schädlichsten Gesetze dieses Landes zu verbessern / [Karl Antonio Pilati]
Entstehung
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219
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fchmackt, langweilig und traurig geworden, dasBuch auf den Boden schmeißt, und seinen Autorzu allen T * * wünscht.

Und, so wie die Dichter , so sind auch unsereRedner nicht um ein Haar besser : Ich versiehenämlich die Kanzelredner; denn die weltliche Bered-samkeit, welche einmal auf dem Römischen Foro ihrenSitz aufschlug, isi mit allem übrigen, was ehrwürdiges,heiliges, tugendhaftes und herrliches in dieser ehe-mals so berühmten, nun so unglücklicher Königinder Städte herrschte, gänzlich verloschen. So oftich in die Kirche gehe, eine Predigt zu hören, unddie mancherley Bewegungen und Verdrehungen desKörpers, das beständige Verkehren der Augen be-trachte, nebst den sonder- und wunderbaren Bie-gungen der Stimme, und andere ähnlichen Kün-sieleyen, die der Prediger bald mit dem Kopf,bald mit den Füssen, oder mit dem ganzen Leibvornimmt, so isi mir, ich sehe einen Gaukler, Quack-salber oder Taschenspieler vor mir, der mich zubekriegen sucht, und es aber mit so wenig Anstandthut, daß ich ihn lieber mit faulen Apfeln vonder Bühne jagen, als länger anhören möchte. Siekennen mich, Giuseppe! Stellen sie sich darum selbstvor, wie ich mich halten könne, wenn ich diesengeistlichen Hans Wursten erblicke, wie er mit fän-den und Füssen drein springt, um den dummenSchwärm, der ihm zuhört, mit bald unverständli-chen, bald läppischen Mährchen zu erbauen; mitMirackeln, die der Pöbel von jedem Range, mit