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Von einer Reformation in Italien : oder von den Mitteln, die gefährlichsten Missbräuche und die schädlichsten Gesetze dieses Landes zu verbessern / [Karl Antonio Pilati]
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227
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man hiernächst verlangen, daß reine Sitten unteruns herrschen , wenn unsere Leuthe zu solchenH. Männern beichten gehn , welche selber sich mitMausen, Ehebrechen, Meuchelmord, Tröllhändeln,mit Verkleinerung , oder sonst boshafter Schädi-gung des Nächsten abgeben, und diese saubernFinken sagen ihrem Beichtkinde zu seinem künfti-gen Verhalt in die Ohren: Ihr, meine Geliebte,habet da wüste Laster an euch! und werdet euchauch schwerlich davon befreyen können, wennihr nicht einen Heiligen aussucht, der euch bey-ftehe. Nehmt euch darum wohl in Acht: Ca-steyet Fleisch und Blut; findet euch fein bey denCreutzfarthen ein; fastet gefl.ssen an der Mit-woche; thut Gelübde oft und viel; laßt Messenlesen, u. s. f. Aber wird etwa dadurch das La-ster dem Sünder wirklich zum Abscheu, und dieTugend liebenswürdig gemacht? Ist das die wahreWeise, gute Sitten einzuführen? Die Erfahrungzeigt alle Tage, wie viel solche Vorstellungen, undaus solchem Munde, fruchten. Kaum empfängtder Sünder den heilbringenden Unterricht, so wählter sich einen Patron, fastet, thut Gelübde, und imSack und in der Asche Büß, läßt Messen lesen;aber in der gleichen Zeit übt er Rache, mordet,proceffiert, schwört Meineyd wo er kann und mag:Darauf kehrt er wieder zum Beichtstul, der Beicht-vater nimmt wieder die gleiche Züchtigung vor;das Beichtkind kehrt nochmals zur Buße, und imgleichen Augenblick zur Sünde zurück. Dieses ist