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höhre Fmanzeinnahme, statt eines kolossalenSmuggelhandels, an den Grenzen haben.
Als ich eines Tages diese Betrachtungenmeinem Freunde, dem deutschen Strumpfwirker,mittheilte, erwiederte er mir lebhaft: „BehaltenSie diese Gedanken hübsch für sich und machen Siedie Russen ja nicht auf ihren eigenen Vortheilaufmerksam, sonst macht man sich auch in Rußlandaus uns Fabrikanten nichts mehr und was nochübler ist, wir erhallen von der Regierung dannkeine Unterstützung mehr." Was aber unsermdeutschen Strumpfwirker am meistert gefiel, wardie allgemeine Sitte des russischen Adels, daß erbeim Kaufen niemals handelte; sondern gleich baar,was man ihm abforderte, zahlte. Schweig-häus er war überhaupt höchst erfreut über dasgute Geschäft, das er mit Gutsbesitzern machte,welche stets eine große Menge Strumpfwaarenfür ihre Leibeigenen kauften. Die Russen pfusch-ten ihm zwar stark ins Handwerk, allein ihreWaaren, wenngleich viel billiger, waren soschlecht, daß selten ein Edelmann sie kaufte.Selbst Bulgarin gestehet freimüthig ein, daßdie russischen Fabrikate nimmer mehr an Soliditätdie der fremden Fabrikanten, die in Rußland ihrGewerbe treiben, erreichen könnten.
Unser deutscher Strumpffabrikant, dem be-sonders der ritterliche Schwung des russischenAdels sehr gefiel, suchte so viel als möglich ihregefälligen Manieren nachzuahmen. Er ging.stets in einem kostbaren Zobelpelz gekleidet und^agte im Winter in einem prächtigen Schlittendurch die Stadt. Meine Nachkommenschaft,pflegte er stolz zu sagen, soll in Rußland bleibenund auch ich werde gegen die allgemeine Ge-wohnheit in einem Lande sterben, das mir armenausgewanderten Fremdling so viel Glück ge-bracht hat.
Zum großen Erstaunen aller seiner Freundeging jedoch mit unserm russischen Patrioten, wiewir ihn scherzweise nannten, eine plötzliche Ver-änderung vor. Das Lob auf Rußland ver-stummte, er wurde schweigsam und in sich ge-kehrt; er sprach von Heimweh und konnte dieStunde nicht mehr erwarten, um wieder nachDeutschland zurückzukehren. Daß es sein Ernstwar, ging daraus hervor, daß er alle seine aus-stehenden Forderungen einzog und seinem älte-sten Sohne seine Strumpffabrik übergab.
Alle meine Bemühungen, den Grund einerso plötzlichen Veränderung zu ergründen, warenfruchtlos, und ich erfuhrnur von seiner Gattin, daßer eines Tages verdrießlich nach Hause gekommenwäre und nur die Worte wiederholt vor sich hin-gesprochen hatte: „es muß ein Mißverständnißsein." Freund Schweighäuser blieb trau-rig und schweigsam, nichts konnte ihn aufheitern.
Mles, was ich von ihm herausbekommen konnte,war das Versprechen, daß er mir die Ursacheauf deutschem Grund und Boden mittheilenwolle.
Da ich mir ebenfalls ungefähr zehn TausendDucaten als Uhrmacher verdient hatte, so segel-ten wir vor einem Jahre von St. Petersburgmit dem Danrpfboote ab, und landeten nacheinigen Tagen glücklich in Lübeck. Kaum ansLand gestiegen, warf Schweighäuser nocheinen traurigen Blick nach Rußland und vonnun an war er wieder munter und fröhlich undbeinahe ausgelassen vor Freude, sein liebesDeutschland wieder zu sehen. Als ich ihn andas gegebene Versprechen erinnerte, nahm erkeinen Anstand, sein Wort zu hallen und singan, wie folgt, zu erzählen.
„Eines Tages kam der Graf Sokolow beimir vorgefahren und wünschte für seine Gütertausend Paar Strümpfe zu kaufen. Ich legteihm eine Probe von der besten Sorte vor: ernahm davon seinen Bedarf, ohne mir von demgeforderten Preise, den er sogleich erlegte, etwasabzudingen. Nach einigen Wochen traf ichden Grafen auf der Straße, als er eben aus demWagen stieg, um in ein fremdes Palais zu gehen.Da ich mit ihm ohne vieles Handeln ein gutesGeschäft gemacht hatte, so konnte ich nicht um-hin, mich ihm mit der Frage vorzustellen, obernicht wieder Strümpfe für seine Güter brauche.Er erkannte mich sogleich wieder und gab mirdie Weisung, eines Nachmittags nach seinemPalais zu kommen, wo ich wohl eine starke Be-stellung erhalten würde. Am andern Tage fandich mich auch wirklich ein. Kaum hatte ich aberdem Haushofmeister meinen Namen gesagt, sowurde ich nach der Nebenstube geführt und auseinen gegebenen Wink von zwei kolossalen Leib-eigenen ergriffen und auf eine Bank mit Gewaltniedergeworfen, während ein dritter mit demKantschuh auf denjenigen Theil meines Körpersloshaute, der nun einmal dazu bestimmt zu seinscheint, harte Mißhandlungen zu erdulden. Diesalles war das Werk eines Augenblicks, denn ichhatte nicht einmal Zeit, meine Unschuld zu be-theuern. Nach abgemachter Sache wurde ichnoch obendrein ausgelacht, als ich breitbeinig,wie ein Matrose, über den Hof schritt."
„Nachdem ich meinen Verdruß, ohne selbstmeiner Familie etwas davon zu sagen, in mei-nem Innern beschwichtigt hatte, suchte ich denGrafen auf der Promenade auf, um von ihm,wo möglich, über diesen sonderbaren Vorfall Auf-klärung zu erhalten. Er stellte sich ganz über-rascht und entschuldigte sich dadurch, daß ein argesMißverständniß vorgefallen sein müßte. Ichsollte, setzte er mit einem wohlwollenden Lächeln
hinzu, nur heute Nachmittag wieder nach seinemPalais kommen, er würde selbst dabei seinund alles ins Reine bringen. Als ich mich zuder angegebenen Zeit bei dem Haushofmeistermeldete, wurde ich wieder nach der verhängniß-vollen Stube geführt und aller meiner Protesia-tionen ungeachtet, noch harter als das erstemalauf dieselbe Weise behandelt. Als ich weggehenwollte, trat der Graf aus der Nebenstube mit derBemerkung zu mir heran: „Siehst du, deutscherStrumpfwirker, dieses war die wohlverdienteStrafe dafür, daß du einen russischen Edelmannauf eine so schamlose Weise geprellt hast."
„Seit dieser Zeit ist mein Enthusiasmus fürRußland verschwunden und hierin lag der Grundmeiner auffallenden Schweigsamkeit. Jetzt binich wieder glücklich und zufrieden, auf deutschemBoden mit russischem Golde unabhängig lebenzu können."
Diesen sonderbaren Vorfall, der seine hu-moristische, wie ernste Seite hat, können wirbis auf die Namen, die natürlich verändertsind, als wahr verbürgen. Wir hielten dessenMittheilung zu einer Zeit für unerläßlich, inwelcher man von einem russischen Protectorateüber den schönsten Theil Deutschlands öffentlichgesprochen hat.
Herrmann Wallin.
Aus der Schweiz.
Correspondenz über eine Corre-spondenz.
Die erste, ganz unerwartete Ankunft des Pilotenin der Schweiz hat alle Freunde des Freihafens mitFreude erfüllt. Aber Viele hat es befremdet, daßeine für uns etwas mysteriöse Person, einer der vielenPassagiere, welche die Schweiz durchziehen, unberufen,wie wir glauben, unser Paquet zu besorgen übernom-men hat. Herr Dr. Pipitz, welcher seit Kurzem mder Schweiz sich umgesehen, hat schon im dritten Heftdes Freihafens für 1839 ein Correfpondenzblatt ausZürich: „Dr. Strauß und die Züricher" geliefert,seither die Grafen von Kyburg geschrieben und jetztin Nr. 1 des Piloten sich zum Erzähler und Beurthei-len der Revolution in Zürich gemacht. Wir wollenweder die Tendenz noch das Talent von Herrn Pipitzin Verdacht oder Zweifel ziehen; sondern nur auf dieArt und Weise, wie er die sich gestellte Aufgabe löst,aufmerksam machen. In der Eingangsstelle zumAufsatz im Freihafen sagt Herr Pipitz: —
„Mein Beruf zum Geschichtschreiber, d. h. zumSchreiber dieser Geschichte liegt einzig in meiner Un-parteilichkeit und darin, daß ich von der Sachenichts verstehe, was, wie die geehrten Leser inder Folge sehen werden, eine große Empfehlung undkeineswegs lächerlich ist." Wie sehr empfehlenSwerthund wie wenig lächerlich diese Geschichtschreibung aus-gefallen sei, überlassen wir dem Urtheil der Leser,die nun wohl die Geschichte von mehreren Seiten