Band 
1840, Januar-Juni.
Entstehung
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105
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uns ganz einfach die freie Concnrrcnz zu sein, welchevielleicht keine größere Schnelligkeit und Sicherheitals die Staats-Posten, aber doch jedenfalls eine grö-ßere Wohlseilheit zur Folge haben wird. Wenn vonletzterer die Rede ist, so braucht man nur an den un-verhältnißmäßigen Postaufschlag auf die Zeitungen zudenken. Als einen ernstlichen Einwand gegen letzterewird man das wohl kaum gelten lassen, „daß vorEinführung des Reichs - Postwesens und der Terri-torial-Posten die größtmöglichste Gewerbefreiheit imTransportwesen bestanden, und daß dennoch überalldie damaligen Transport-Unternehmungen im höch-sten Grade mangelhaft gewesen." Die Schuld scheintuns hier rein an der Zeit zu liegen, und wahrschein-lich würden die Staats-Posten zu dieser Zeit nichtbesser gewesen sein. Im 16. und 17. Jahrhundertdürfen wir freilich keine bequemen Postwagen, keineChausseen und Beschwerdebücher zu finden erwarten.

Mit dem Briefpost-Monopol hat es nun eineetwas andere Bewandtniß. Wahrend in Betreff derBeförderung der Reisenden die freieste Concurrenz zuwünschen Ware, gehen in Bezug auf die Briesbesör-derung die Wünsche nur auf eine Reform derselben.In der That laßt sich hier Manches dafür anführen,daß der Staat in Besitz dieses Rechtes bleibe. InEngland und Frankreich sind zuerst die Klagen überdie Unverhältnißmäßigkeit der bisherigen Porto-An-sätze laut geworden und haben in dem ersteren Lande .bereits znr gewünschten Reform geführt, obgleich derVerfasser des erwähnten Artikels bezweifelt, „daßEngland sich entschließen werde, eine sichere und be-deutende Revenne auszugeben, um in das Ertrem sei-ner bisherigen sehr hohen Bricstare zu verfallen."In Deutschland haben die Klagen über die Höhe desPorto's ein Echo gefunden, wenn auch der Verfasserdes erwähnten Artikels nicht glauben will, daß „derverständige und billig denkende Geschäftsmann, Ban-quier, Kaufmann, Fabrikant, Buchhändler, Schrift-steller es im Ernste unbillig oder drückend findenkönnte, daß der Staat, der mit allen ihm zu Gebotestehenden Mitteln dafür sorgt, daß seine, für ihn oftso wichtigen Briefe auf 200 wie auf 2 und 20 Meilengleich richtig und pünktlich bestellt werden, dafür au-ßer seinen Speditions - und den bczichendlichen Tran-sit-Spesen oder baaren Auslagen, gleich jedem an-dern Spediteur noch eine gewisse, mäßige, fest nor-mirte Provision erhebe, welche hauptsächlich die soge-nannten Post - Ueberschüsse bildet, die lediglich demStaatshaushalte im Ganzen zu gute kommen undwozu bekanntlich nicht blos die Inländer, sondern auchgroßcntheils die nahen und fernen Ausländer mit bei-tragen." Trotz dieser Versicherung ist es nicht min-der Thatsache, daß alle billig denkenden Geschäfts-männer, Kaufleute u. s. w. die jetzigen Porto - Ansätzefür sehr drückend halten, wie dies nicht nur der weit-verbreitete Anklang, den die Reformvorschläge in allenöffentlichen Blättern gefunden haben, beweiset, son-dern auch die Reclamationen der Kaufleute der bedeu-tendsten preußischen Handelsstädte. Die „gewisse,mäßige, fest normirte Provision, welche der Staatgleich jedem andern Spediteur erhebt," kann füglichmit Stillschweigen Übergängen werden, denn jeder,der Briefe zu schreiben hat, wird wissen, was davonzu halten ist, und wie unerschwinglich hoch sie ofttrotz dieser schönen Worte ist. Zwar wird uns in demfraglichen Artikel versichert, „die vorausgesetzte Aus-

gleichung durch eine Vermehrung des Einkommenssei ein utopischer Traum." So viel ist indeß gewiß,daß eine größere Wohlseilheit immer auch einen ver-mehrten Verbrauch zur Folge hat. Auch die Zahlder Briefe würde ohne Zweifel in dem Maße zuneh-men, wie das Porto herabgesetzt würde. Die Schrei-belust unserer Zeit ist groß, gewiß kein minder allge-meines Symptom als die Reiselust. Und dennoch hatsich die Zahl der Briefe nirgends in demselben Ver-hältniß vermehrt, als die der Reisenden. Ganz ein-fach aus dem Grunde, weil das Porto zu hoch ist,und man nur das Allernothwcndigste schreibt oderandere Gelegenheiten sucht. Würde das Briefportoauf eine billigere Weise regulirt, so würde die Zahlderselben in dem Maße zunehmen, wie der Verkehrsich auf allen den Linien gehoben hat, wo Eisenbahn-Verbindungen zu Stande gekommen sind. Wir kön-nen das oben Gesagte mit Thatsachen belegen. InFrankreich z. B. ist die Einnahme der Post nicht indem Grade gestiegen wie der Verkehr überhaupt, dennwährend in dem Zeiträume von 1816 —1836 dieAbgabe, welche die Post von anderen Beförderungs-Anstalten für Reisende erhebt, von 1,669,000 Fr. auf4,305,000 Fr. gestiegen ist, hat sich der reine Er-trag der Posten in demselben Zeitraume nur von19,825,000 auf 35,600,000 Fr. erhöht. Also derTransport der Reisenden hat sich verdreifacht, dieEinnahme der Posten nur verdoppelt. Der Grundist die Höhe des Porto's. Die Zahl der in Frank-reich auf Schmuggelwegen beförderten Briefe wirdauf 63 Millionen angeschlagen. Es ist aber wohlkaum einem Zweifel unterworfen, daß, wenn dasPorto herabgesetzt würde, ein Jeder eine sichere Be-förderungsweise dieser ungewissen vorzieht: würde.

Diesen so klaren Gründen zum Trotze und unge-achtet der so laut und allgemein ausgesprochenenWünsche für eine Reform des Postwesens, sagt derVerfasser des fraglichen Artikels, er bezweifle sehr,„daß es irgend einem deutschen Postmanne, wäre erauch der größte Kosmopolit und Philanthrop, er lebenun an der Donau oder an der Spree, an der Jsaroder der Leine, einfallen sollte, die Reform des Post-wesens in der Entkleidung desselben von seinen wesent-lichen Vorrechten (diese wesentlichen Vorrechte sind, wiewir schon gesehen haben, das Monopol der Personen-und Briefbcsörderung) in einer unbeschränkt freienConcurrenz zu suchen." Wäre nur von den Postleu-ten die Rede, so könnte man sich das schon gefallenlassen, und würde es sehr begreiflich finden. Aber eswird uns weiter noch versichert, es wäre ein großerIrrthum, wenn man in diesen Wünschen die Spracheoder die Erfahrungen des höhern Handels- und Ge-werbestandes zu finden glaube. Die Eingaben umeine Herabsetzung des Briefporto's, welche in Berlinaus den bedeutendsten preußischen Handelsstädten ein-gegangen sind, scheinen hier ignorirt zu werden.

Es bleibt nun noch übrig zu sehen, was es dennfür eine Bewandtniß damit habe, „daß das Portoeine mäßige directe Abgabe sei, welche, so weit sienicht zum Besten des Post-Instituts verwendet wird,in den nämlichen Staatsschatz fällt, in welchen alleanderen indirecten Steuern fließen, und aus welchemdie mit der fortschreitenden Cultur der Staaten noth-wendig auch steigenden Ausgaben der Staats-Verwal-tung bestricken werden." An einer andern Stelleist dies auch so ausgedrückt, „daß die Post einen billi-

gen Ueberschuß gewähre, welcher indirect allen Staats-bürgern wieder zu gute komme, und welcher, wennauf diese Revenue ganz oder größtcntheils verzichtetwerden sollte, nothwendig auf andere Weise gedeckt,folglich durch eine, alle Staats-Angehörige und dasmit dieser in Briefwechsel stehende Ausland nichtmit treffende Abgabe ersetzt und ausgeglichen werdenmüßte." Das heißt also, wenn auch die Porto-Ansätze etwas zu hoch sein sollten, so hat das weiternichts auf sich; es fließt ja doch Alles in einenScckel, und kommt das Geld nicht auf diese Weiseein, so muß dafür aus eine andere Weise Rath ge-schafft werden. Wir möchten wohl wissen, wo derVertheidiger dieser Principien Staats-Ockonomie stu-dirt hat. Sonst nimmt man bei der Vcrtheilungder Abgaben wohl als Grundgesetz an, daß dieselbenauch der Billigkeit angemessen seien, daß sie in richti-gem Verhältniß zu dem dafür erhaltenen Nutzen undGenuß stehen. Es kommt nicht darauf an, daß über-haupt bezahlt werde und Geld in die Staatscassefließe, gleichviel woher, sondern daß die Abgaben aufeine angemessene und am wenigsten drückende Weisevertheilt werden. Es wäre ganz in der Ordnung,wenn die Unternehmer von Diligencen dem Staate,wie jeder andere Gewerbetreibende, eine Abgabe ent-richteten, es wäre ebenfalls nichts dagegen zu sagen,wenn derjenige, der das Recht der Briesbeförderunghätte, zu Gleichem verpflichtet wäre.'' Da nun ein-mal der Staat im Besitze beider Rechte ist, so müssenwir es ganz natürlich finden, daß er die Abgabe, diebezahlt werden müßte, wenn er nicht selbst der Un-ternehmer wäre, in Anrechnung bringt. Wir wollenihm ferner noch eine mäßige Provision zugestehen.Aber leider ist die Provision nichts weniger als mäßig,und wir begreifen nicht die Nothwendigkeit, daß diePosten jährlich so ungeheure Ueberschüsse, die nur' durch unverhältnißmäßige Erhöhung der Preise er-reicht werden können, in die Staats-Casse liefernmüssen. „Diese Revenue, wird uns sodann gesagt,hat vor den Verbrauchssteuern den Vortheil, daß sieweniger die ärmern Volksclassen als die Bemitteltenund Reichen trifft." Also ist sie eine Art Lurussteuer.Wir wollen nichts gegen den Grundsatz einwenden,daß die beste Abgabenvertheilung die sei, welche amwenigsten die ärmern Classen in Anspruch nimmt, aberso lange wir von diesem Principe keine andere An-wendung als bei den Posten finden, so lange erscheintes als eine Ungerechtigkeit. Mit denselben Gründenkönnte man übrigens auch das Kaffee-Monopol recht-fertigen, und der Unterschied zwischen diesem und demPost - Monopol ist in der That nicht groß. Im er-sten Falle macht sich der Staat ebenfalls zum aus-schließlichen Inhaber eines Artikels, dessen Preis ernach Gutdünken bestimmt. Die Kaffeetheurung lastetebenfalls nur aus den Bemittelten und Reichen, unddas Geld, was auf diese Weise einkommt, brauchtnicht auf anderem Wege aufgebracht zu werden. Unddennoch ist über das Kaffee-Monopol wie über einedrückende Ungerechtigkeit geschrieen worden*).

*) Wir denken in einer unserer nächsten Nummernvon einem andern Mitarbeiter eine ausführlichere, ausauthentische Quellen gestützte Mittheilung über die Post-Reform geben zu können. D. Red.

Drust von B, G. Teubner in Leipzig.