Band 
1840, Januar-Juni.
Entstehung
Seite
313
JPEG-Download
 

30V

tigkeiten gekommen. Es schien, als ob man selbsteinen Ansbruch wünschte, um dann, wenn Ober-wallis nicht Kraft genug entwickeln könnte, sich denSieg zu verschaffen, durch das Aufgebot und mit Bei-hülfe der Milizbataillone das Volk von Unterwalliö zuunterdrücken. —

Allein, wie oft geschieht, die wohlweisen und für-sichtigen Herren beförderten mit ihrem Witz geradedas, was sie hintertreiben wollten.

Im Grenzdorfe Evolenaz, in welchem beideLandeöparteien hausten, war eine obrigkeitliche Salz-wage, um deren Besitz sie sich stritten. DaSZünglein schwankte hin und her und schnappteendlich über. Die Parteien geriethen, schon langeschlagfertig, an einander. Von Dorf zu Dorf undThal zu Thal in Ober- und Unterwallis erging derSturm. Ein wilder zäher Vvlkskampf, verheerendfür beide Tbeile, hatte die Folge sein können. ZumGlück sah sich das wackere Volk von Oberwallis in derNoth von seinen Führern verlassen, wahrend dieSchaa-ren von Unterwallis Wohl geordnet und geführt raschdas Oberland überzogen. Man schlug sich wirklich aufverschiedenen Punkten und hat auf beiden Seiten Ver-wundete und Tode zu bedauern. Ein Herr vonCur -t e n ward auf dem Rathhans erstochen und zwar vonseinen Leuten, welche sich verrathen glaubten. DasVolk von Oberwallis sieht seinen Irrthum und denMißbrauch, den man von seinem Patriotismus machte,ein und die feindlichen Brüder versöhnen sich.

Der Vorort schickte zwar nochmal Commissaireund bot vier Nachbarkantone auf. Diese aber be-trachten die Sache als entschieden und jene werdenvon dem Sieg der gerechten Sache des VolksprincipsAct nehmen und heimreisen können.

2. Das Phänomen und dieIesuiten inF r e i b u r g.

Zn diesem geheimnißvollen Sommerwinter, derso reich ist an Umwälzungen in der Natur und imMenschenleben, zeigte sich in dem sonderbaren KantonFrciburg, drei Stunden von der wunderlichen Haupt-stadt, aus deni Gipsboden beim Burgwald ein selt-sames Phänomen. Seit einiger Zeit blies ein unter-irdischer starker Wind, welcher wieder Glaube an dieAltvater Aeolus und Pluto pflanzen könnte, auseinigen sehr schmalen Bodenspalten, in die kaum einedicke Messerklinge gesteckt werden konnte. Am 25.Hornung hielt ein Arbeiter ein brennendes Stück Holz,welches zur Sprengung eines Gipsblockes gedienthatte, vor einen dieser Spalten, um zu sehen, wieder herausströmende Wind es auslöschen würde. Errief dazu: „Nun, so blase denn! " Schrecken über-fiel den Zauberlehrling, als plötzlich aus sein Wortdie Luft über den Rissen sich entzündete und die At-mosphäre selbst in Masse zu brennen anfing. Lich-terlob loderte eine prächtige rothe Flamme empor, inungeregelten Zügen und Strömungen auf- und abwo-gend, hin- und herfahrend, zu- und abnehmend, dochan den Mündungen stetig fortdauernd. Der aus demBoden hervorströmende Wind ist immer sehr heftigund das Feuer wird unterhalten. Der Ort wird vonNeugierigen, die sich von allen Seiten sammeln, be-sucht. Oft stehen Hunderte vor dem Zaubcrschlundund bilden Theorien. Viele erwarten einen verhee-renden Vulkan, Andere ein wohlthätiges Thermalbadu. s. f. Chemiker und Physiker stellen sich endlichauch ein, fassen das ausströmende Gas, untersuchen,versenden und disputiren. Neben dem noch unge-

tansten Phänomen schwitzt Wasser aus dem Boden,welches stark mit Salz (Sedlitzer Salz) geschwängertist. Die Gesellschaft Jesu soll beschlossen haben, inder Nähe einen Tempel mit (Mamdres cks iruäitationzu bauen und auch dort die Inschrift setzen zu lassen,die jetzt mit so großem Recht an einem Portal ihresRiesenbaues in Freiburg prangt: terribills est Istslocms. Die klugen Patres hoffen auch, daß sich dieunterirdischen Detonationen, die man von Zeit zuZeit in dem Gipsgebirg gehört hat, wieder einstellenund für ihre heiligen Zwecke werden benutzen lassen.Der „Nun so blase denn!" soll als ewigerFeuerwerker der Gesellschaft angestellt werden.

3. Die Mission inSchwyz.

Seit Beginn des Narrenmonats finden hier zuLand schwarze Kreuz- und Ouerzüge von A. bis Z.statt. Seit dem Sieg der auch von Zürich aus un-terstützten Hornmannschaft sind die st! u braus unddie saucta simplicitas die größten Heiligenim Kanton Schwyz. Das Kloster Einsiedeln mitseinen weltbekannten großen Verdiensten um Volks-cultur ist ganz verdunkelt. Se. Hochwürden, katho-lischer Pfarrer Albrecht von Haller, Sohn desgroßen in Solothurn modernden Convertiten undNestaurators, Erministers von Karl demZehn -ten u. s. w. führt den Neigen. In einer luftdichtverschlossenen Klosterkutsche brachte der scelencifrigeehemalige Berner, jetzt Römer drei Stück wohleressir-ter Jesuiten ins Land der Klauen, welche auf hohenBefehl bekehrt werden sollen. Die Missionspredigten,welche höhern Orts in Masse für alles und jedes Volkcomponirt werden, unter freiem Himmel zu halten,tragen die Patres ein schützendes schwarzes Pilger-mäntelchen über der Soutane und ein Crucifir in derHand zum Effectmachcn. Hier sind sie dem souve -raiuen Volk vorgestellt worden von dem ebener-wähnten Herrn Albrecht von Haller, welcherseine einleitende Kanzelrede mit dem Ausrufe Ti-me o n' s schloß: „ Nun entlasse, Herr, im Friedendeinen Knecht, dessen Augen das Heil gesehen". Jetztwerden täglich von den über Galgenen in dieMarch gekommenen Jesuiten drei Missionspredigtengehalten. Geschlechter und Alter werden gesondert,um den verschiedenen Subjecten besser auf den Leibzu rücken. Heute werden die Jünglinge coramirt,morgen gehts an die Jungfrauen. Allem Volk wirdBuße gepredigt und groß und klein zur unverweiltenAblcgung einer geheimen Ohren - Generalbeichte auf-geboten. Die Prediger sind Ausländer, ein TYro -l e r und zwei Elsässer. Sie treten ganz theatra-lisch oder vielmehr spectaculös aus, erst larmoyantklagend, dann terroristisch polternd, endlich cajolirendSühne und Segen verkündend. Sie spielen ihreGastrollen so gut, daß viele des Volks sich? äußern:„Unsere Geistlichen sind nur Lehrbuben gegen die da."Zwar hört man Urtheile: „ Es war sehr schön, aberich hab' kein Wort verstanden." Deshalb wird umder Decoration und Reputation willen für fremdeZuschauer und Zuhörer gesorgt. Nicht nur aus demGastcr, Ober march und Glarusland zie-hen die Bußlustigen schaarenweise heran, sondernauch aus Tyrol, vom Schwa^zwalde undSundgau. Und sie lagern sich auf Straßen undöffentlichen Plätzen, oder quartieren sich in Hütten undStälle ein, um die vierzehn Tage des Heils zu pro-fitiren. Die „ Missionsherren " selbst leben nicht nurauf öffentliche Kosten, sondern sammeln auch für An-

dere und für die Zukunft die Gaben, welche im Ue-berfluß zuströmen, oder, weil nicht alle Leute gleichviel Verstand und guten Willen haben, auch vonHaus zu Haus, oder von Hütte zu Hütte gesammeltwerden. — Nächstens mehr. —

Vermischte Nachrichten.

P Pater Ves-Narpes 8. ck. und derTeufel. Der Jesuit Ves-Harpss langte aufseinen von dem Hornregiment begünstigten Missions-zügen zu Galgenen im Kanton Schwyz an. Zugleicher Zeit, wie prädestiuirt, traf daselbst eineWeibsperson ein, die man für besessen vom Teufelausgab. Die Führer und Begleiter des Weibesbrachten sie in einem Hause unter, dessen Bewohnernnicht verhehlt wurde, was für einen Gast man ein-führe, aber heilig versichert und verbürgt ward, daßder Gast des Gastes sich ruhig und sittlich betragenwürde, was denn auch treulich gehalten wurde. Teufelhalten Wort. — Am folgenden Tag in der Früheward der Besessenen eine Schaale Kaffee gereicht undsie dann zur Kirche geführt. Auf dem Wege soll sie —man weiß nicht des eingenommenen Frühstücks oderder bevorstehenden Operation wegen — eine gewisseBangigkeit verrathen haben. In der Sacristei an-gelangt, ward die Besessene von dem Priester Erorci-sten in Empfang genommen. Zwei starke Männerwurden ihr zur Seite gestellt, sie festzuhalten und einWeib ihr beigegeben, um Hülfe zu leisten. Se. Hoch-würden , der fromme Geisterbändiger, ließ die Thürebis aus Schloß zudrücken, daß nur durch eine schmaleSpalte hineingesehen und gehört werden konnte, undbetete jetzt laut aus einem Buche lateinische Sprücheüber die Besessene ab. Diese wand und krümmte sichnun, wie ein Wurm, schäumte aus dem Munde undknirschte mit den Zähnen, richtete sich auf und stürztezu Boden, geberdete sich leidend und wüthend. DasVolk, in Menge herbeigeströmt, drängte an die Thüre,die man jedoch auch jetzt noch nicht ganz frei ließ.Dreimal erhob endlich der Pfaffe die h. Stola überdas Ungeheuer und schlug es. Das Weib stöhnteund erbrach sich. Da sprach der Jesuit: „Jetzt ist'sgut." Nun wollen Einige nichts als die plötzlicheBefreiung und Ruhe der Besessenen, höchstens denUnrath des Erbrechens, Andere aber einen Rauchoder eine Kröte aus dem Munde der Besessenen hinaus-fahren und plötzlich verschwinden gesehen haben.

P Icsuiten - Fragen und Todtensch ädcl-Antworten. In Steinen, des alten Freiheitshel-den St aufs ach er GeburtS- und Wohnort, trug inder letzten Missionspredigt ein Jesuit einen Todten-schädel auf die Kanzel und stellte ihn vor sich auf.Während des geistlichen Vortrags sprach der Predigerden Schädel an und fragte ihn: „Wie lange bist dudenn jetzt schon in der Hölle gewesen? " Der Todten-schädel antwortete mit vernehmlicher Stimme: „Tau-send Jahre". — Ungläubige Köpfe halten den Pre-diger für einen Bauchredner; das Volk aber ist geneigt,an die Sprache der Todten zu glauben, wenn Jesui-ten sie fragen. Und nicht nur das Schweizervolk istso gläubig. Eine Großzahl des zn solchen Wunder-künsten versammelten Publicums ist' aus dem Elsaß,Schwarzwald, auch Vorarlberg und Tyrol herbeige-laufen— und, wie es scheint, gerufen!

Druck von B. T. Teubner in Leipzig.