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der Bibel enthaltenen Pflanzen als bloße inFolge der Erbsünde entstandene Abarten undVarietäten auf die in der Bibel vorkommendenPflanzen zu reduciren, um zu beweisen, daßAlles in der Bibel stehe! ?Wie würdig eineschristlichen Mineralogen, nur in der An-schauung der Steine des himmlischen Jerusa-lems oder des Tempels Salomonis zu leben!— Ihr könnt euch nicht mit der Ausrede hel-fen , daß diese natürlichen Dinge die Bibel garnichts angehen. Die Trennung von Naturund Religion ist eine unhaltbare, falsche Tren-nung. Wer uns religiöse Aufschlüsse gebenwill, muß auch über die Natur belehren.Andere religiöse Anschauungen erzeugen auchandere Naturanschauungen und umgekehrt.Nur die Sophistik der Charakterlosigkeit kannsich einbilden, daß man in natürlichen Dingengescheuter werden kann, ohne es in religiösenDingen zu werden, d. h., daß man mit demeinen Beine Fortschritte machen kann, wäh-rend man mit dem and ern Beine noch immerauf dem alten Flecke steht — eine Einbildung,die die gemeinste Erfahrung widerlegt. EinBauer, der den Gebräuchen seiner Väter in derBestellung seiner Aecker und Felder untreu ge-worden , wird auch den religiösen Vorstellun-gen seiner Väter untreu; ein Schneider, deraus der Fremde in die Heimath zurückkommt,bringt mit einem neuen Hosenschnitt auch neueAnsichten über noch ganz andere Dinge mit."
In dem Haß gegen die hegelsche Philo-sophie, um nun auf diese zu kommen, erkenntF. in seinem in der Ueberschrift angeführtenBuche nur einen versteckten Haß gegen diePhilosophie überhaupt, der sich hinter demVorwurf der Unchristlichkeit dieser oder jenerbestimmten Philosophie verbirgt.
Anstatt, daß Andere der hegelschen Phi-losophie den Vorwurf der Unchristlichkeit ma-chen , macht ihr F. gerade den entgegengesetztenVorwurf, daß sie sich noch zu viel mit demChristenthum, d. h. mit dem biblisch-kirch-lichen abgebe und eine zu starke dogmatischeFärbung an sich trage. „Dieser Vorwurf istallerdings ein begründeter, daß die hegelscheReligionsphilosophie die Dogmen nicht imSinne der Kirche nimmt, d. h., daß z. B. dasDogma der Trinität in ihr etwas Anderes be-deutet, als in der kirchlichen Dogmatik. Hegelverdient diesen Vorwurf um so mehr, je grö-ßern Werth er auf die Uebereinstimmung seinerPhilosophie mit der christlichen Dogmatik imGegensatz zu den frühern Philosophen zu hegenscheint. Jede Vermittelung der Dogmatik undPhilosophie ist eine Ooncorciia cliscvrZ, gegendie man eben so im Namen der Religion, als
im Namen der Philosophie protestiren muß.Wenn man sagt: „man muß glauben, um zuerkennen, und erkennen, um zu glauben", soist dies wohl im Allgemeinen richtig. Aller-dings muß man glauben, um zu erkennen —jeder Denker glaubt an die Wahrheit, glaubtan die Vernunft, glaubt an die Menschheit —und allerdings erkennen, um zu glauben, wiewir denn dies schon aus der alten Kinderfabelwissen, wo es heißt: Wer einmal lügt, demglaubt man nicht, und wenn er auch dieWahrheit spricht. Aber in Beziehung auf denStreit von Dogmatik und Philosophie ist mitdtesem allgemeinen Satz gar Nichts gesagt.Denn es handelt sich hier nicht von einem all-gemeinen, sondern einem ganzbesonderen,einem historisch dogmatischen Glauben.Hier ist es sogar falsch, von einer Identitätdes Glaubens und der Erkenntniß zu sprechen;hier ist der Glaube der Verlust der Vernunft,und die Erkenntniß der Verlust des Glaubens;denn der Glaube vertritt eben hier die Stelleder Vernunft; man glaubt, was der Ver-nunft wider spricht, weil es ihrwi-dersprich t."
Feuerbach hält es mit Recht für einenwahren Angriff auf die Ehre der deutschen Li-teratur und Wissenschaft und hiermit auch aufdie Ehre der deutschen Nation, wenn man sicherdreisten darf, die Philosophen anzuklagen,daß sie die deutsche Nation von ihrem Glau-ben abziehen wollen. ,,Hat denn der alteGlaube noch eine respektable Nationaleristenzoder auch nur respektable Organe zu seinenVertretern? Gehören die deutschen Philoso-phen nicht auch zur deutschen Nation? Oderhaben sie sich etwa selbst fabricirt? Habennicht schon die Poeten die frommen deut-schen Schafe in der Scheere gehabt, ehe siein die Hände der Philosophen gerathen? Owelche Schande unserer Zeit, daß man dieNamen und Gott Lob höchst segensreichen Wir-kungen eines Lessing, eines Herder, einesSchiller, eines Goethe schon vergessen hat —vergessen, daß die deutsche classische Literatureben gerade da beginnt, wo der Geist der Or-thodoxie zu Ende geht! Ist Klopstock nichtgerade an seiner Messiade gescheitert? Ist euchdas Distichon entfallen:
Deine Muse besingt, wie Gott sich der Menschenerbarmte,
Aber ist das Poesie, daß er erbärmlich sie fand?
Feuerbach meint, ein Jüngling, der kein cha-rakterloser Wechselbalg, sondern eine gesundeNatur ist — und gewiß können dies alle Jüng-linge von gesunder geistiger Constitution auseigener Erfahrung bestätigen — werde nie an
den Greueln der orthodoren Theologie, aneinem Sündenfall, der die ganze Natur undMenschheit verpestet hat, Geschmack finden.Man lasse nun aber gar einen solchen Jüng-ling bei Lessings Nathan dem Weisen in dieLehre gehn und zugleich bei Herder Huma-niora hören und hier noch obendrein bei derKonfirmation eines deutschen Fürsten, ganzim Widerspruch mit den Lehren des Katechis-mus, auf die Frage: „Was ist Religion?"den Satz: „Religion ist, was das Gewissenbindet. Gewissen ist unsere innerste Ueber-zeugung," und auf die Frage: „Was gehörtalso nicht zur Religion?" den Satz: „Wasnicht mein Gewissen bindet: das ist, was michnichtüberzeugt, wovon ich keineEr-kenntniß, keinen Begriff habe, oderwas nicht meine Pflicht nach meinem inner-sten Bewußtsein angeht" zur Antwort em-pfangen, hierauf von Schiller sich in die My-sterien des Cultus der Schönheit einweihen,und endlich, nachdem es ihm hier ein wenigzu warm geworden, die schillersche Gluth indem stillen Ocean der goethe'schen Liebes- undLebensweisheit abkühlen, — man lasse diesenJüngling nach solchen Vorstudien auf einedeutsche Universität kommen, so werde ihmgewiß, noch ehe die Philosophen ihren Beitragdazu geliefert haben, die moderne PietistischeOrthodorie ungeachtet des „elastischen" 6ullle ?uris, den man jüngst dem Knochengerippedes alten Mirakelglaubens untergepolstert hat,in einer solchen häßlichen, widerlichen Gestalterscheinen, daß er nur in dem entschiedenstenGegensatz die Quelle des Lebens und Heilsfinden werde. „Warum verklagt ihr also nichtdie Poeten? warum nur die Philosophen undselbst unter diesen warum nur Hegel?"Schade, daß F. hier Menzels und derevangel. Kirchenzeitung Bannstrahlen gegendie Poeten ganz vergessen hat.
Daß die modernen Theologen in der Thatnicht glauben, was sie zu glauben sich einbil-den , daß ihr Glaube nur Selbsttäuschung ist,nur ein „Abortus des Unglaubens, dernicht zur gehörigen Reife und Ausbildung ge-diehen ist ", dies weist F. unter anderem auchan dem Wunderglauben dieser Herren nach.„Ein moderner bibelgläubiger Theolog erklärtdas Wunder (z. B. an der Hochzeit zu Cana)für einen accelerirten Naturproceßund giebt uns daher mit diesem beschleunig-ten Naturproceß ein schlagendes Beispiel vonder galopirenden Schwindsucht des Wunder-glaubens, der doch die Basis des ganzenGebäudes ist, selbst in den Herzen der gläu-bigen Theologen. So weit ist die Cultur in