Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
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518
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ihre Eristenz gerettet, und, wenn auch mitgroßen Opfern, ein Privilegium als Bank vonPennsylvanien erworben hat, womit sie freilichin den Stand aller anderen Provinzialbankenzurückgetreten ist, und ihren ganzen früherenund ausgedehnten Wirkungskreis, als reguli-rende Centralanstalt, verloren hat.

Von dem Augenblicke an, wo die Einzie-hung des Privilegiums der Centralbank ent-schieden war, fing auch die Anzahl der Provin-zialbanken wiederum an sich reißend zu ver-mehren. Die Errichtung derselben wurde vonder Regierung überall begünstiget, und es be-finden sich gegenwärtig in den Staaten desvereinigten Nordamerika nicht weniger als 850Staaten - und Localbanken, so daß sich ihreZahl seit 1832 um nicht weniger als um 520vermehrt hat.

Die Zahl der Noten, und mit ihnen dieZahl der allerubertriebensten Speculationenaller Art, wovon wir nur die, auch in Europanur zu bekannt gewordene, Baumwollespecu-lation erwähnen wollen, haben fortwährendeGeld - und Handelskrisen in Amerika hervor-gebracht, die auch auf Europa höchst nachtei-lig zurückgewirkt haben; über die Hälfte deramerikanischen Banken hat ihre Zahlungeneingestellt, weil sie 12 — 20 mal mehr Notenemittirt hatten, als der Fonds betrug, und dieCreditlosigkeit in Nordamerika ist so groß, daßihre Folge noch lange Zeit auf den Verkehr mitdemselben einwirken werden.

Auch jetzt ist, nach Auflösung der Central-bank, jene Coursverwirrung eingetreten, welchesich bereits um das Jahr 1816 , in Bezug aufdie Noten der verschiedenen einzelnen Provin-zialbanken, gezeigt, und die, weil Niemandweiß, was die Banknoten, die er erhält,eigentlich werth sind, noch welchen Cours siemorgen haben werden, selbst im Innern Nord-amerikas den Handel und Verkehr auf dasAeußerste niederhalt. Selbst die frühere Cen-tralbank ist den Umständen erlegen, weil sieihr großes Capital nicht mehr anders als mitgewagten Speculationen zu beschäftigen wußte,da ihr der frühere Wirkungskreis fehlte. Daßes in diesem Wege nicht fortgehen kann, istaugenscheinlich. Fragen wir aber, was ge-schehen solle, um zu einer besseren Gestaltungder Dinge zu gelangen? so sind nur zwei Wegedazu möglich. Der erste ist ein System derBaarzahlung, und eine große Beschränkungder Bankanstalten, sowie die Einführung einer,gegenwärtig freilich gänzlich ermangelnden,Controls derselben. Aber es läßt sich voraus-sehen, daß dies nicht zu bewerkstelligen ist.Die baare Münze ist zu keiner Zeit in Nord-

amerika sehr heimisch gewesen, und sie ist einzu rebellisches Geschöpf, um, gleich Soldaten,auf das Commandowort zu gehorchen. Einezu große Beschränkung der Banken in einemLande, wo sie so tiefe Wurzeln gefaßt haben,würde zu viele Interessen verletzen, als daßdaran gedacht werden kann. Auf diesem Wegeist also schwerlich etwas zu erwarten, und mandarf annehmen, daß er gar nicht erst versuchtwird.

Dann aber bleibt nichts übrig, als dieWiederaufrichtung einer Centralanstalt, wiedie eben eingegangene, um in das gestörteGeldwesen wiederum Festigkeit und Ordnungzurückzuführen. In Staaten mit einem aus-gebreiteten Banksysteme verschwindet natürlichdas baare Geld immer mehr aus dem Verkehre.Sobald nun diese Banken nicht einem einzigenStamme angehören, sondern von einander ver-schieden sind, genießen natürlich, je nach ihrenOperationen, ihren Fonds und ihren Noten-emissionen, die einen eines größeren, die ande-ren eines geringeren, Credits, und nach demMaßstabe dieses verschiedenen Credits weichtauch, bei irgend zweifelhaften Zeiten, derCours ihrer Noten von einander ab, so daßgegenwärtig, wie 1815 , jede Stadt, jederStaat in Nordamerika, andere Banknoten, undeinen anderen Cours derselben hat. Dannaber wird jeder Anhalt unmöglich, sobald esan einem festen Werthmesser fehlt, gegen wel-chen die verschiedenen Banknoten gemessen wer-den können. Die Münze ist ein solcher, abersie fehlt in Amerika. Dort also, wie überall,wo ein umfassendes Banksystem eingeführt ist,stellt sich eine regulirende Centralanstalt, wiewir sie zweimal in Nordamerika gesehen haben,als ein unabweisliches Bedürfniß dar. Wergegenwärtig in Nordamerika aus einem Staatein den anderen kommt, der muß mit demStande der, in denselben umlaufenden, Bank-noten , weil in jeder Stadt andere Noten um-laufen, nothwendig unbekannt sein, weil ernichts hat, wogegen er dieselben vergleichenkann. Giebt es aber eine regulirende Central-anstalt, deren Noten, wie die Noten der frü-heren Bank der vereinigten Staaten, da sie inden verschiedenen Städten des Landes bei denFilialen überall gegen baares Geld eingelösetwerden können, auch nl pari mit dem baarenGelde stehen, so dienen sie als Regulator füralle Noten der Provinzialbanken. Jedermannweiß sogleich, welchen Werth die Noten einerLocalbank haben, sobald er erfährt, wievielDollars an Noten der Centralbank, die überallim Umlaufe sind, man mit einer bestimmtenSumme von Noten der Local- oder Staaten-

bank eintauschen kann. Die Noten der Natio-nalbank von 1791, wie der Centralbank von1816, sind stets ohne Schwanken eingelöst wor-den und haben sich stets auf dem Pari gehalten,weil diese Bankanstalten

1) einer besseren Controls des Staates un-terworfen waren, als alle übrigen

und

2) von den deponirten Staatsgeldern Vor-theile genug hatten, um gewagter Spe-culationen entbehren zu können.

Sie haben also allezeit einen ziemlich stäti-gen Werthmesser und Regulator abgegeben.Bei gleicher Einrichtung wird auch eine künf-tige Central-Anstalt das Nämliche leisten. Istsie nun, nach allem, was darüber bemerkt wor-den ist, das einzige, für Nordamerika mög-liche, Mittel die gestörte Ordnung in seinemGeldwesen wieder herbeizuführen, so läßt sichwohl kaum bezweifeln, daß man, früher oderspäter, auf die Wiedererrichtung einer solchenAnstalt zurückkommen werde, ja zurückzukom-men gezwungen sein werde, wenn man es nichtin Zeiten und freiwillig thut.

Daß dies bald geschehen möge, ist selbst fürDeutschland in mehrfacher Beziehung, beson-ders auch darum wichtig, damit die großenVorurtheile, welche bei uns in Bezug auf dasBankwesen und gegen dasselbe, noch herr-schen, nicht fortwährend neue Nahrung erhal-ten mögen.

Wir sind in Folge des Zollverbandes auchin Deutschland bereits auf dem Punkte, aufwelchen jedes Volk bei einer größeren Ent-wickelung seiner Nationalindustrie kommt, an-gelangt, wo die Errichtung umfassender Bank-anstalten Bedürfniß, ja Bedingung, weitererFortschritte wird. Aber überall treten derfreien Entwickelung derselben Vorurtheile ent-gegen, die in dem, was in Nordamerika ge-schehen ist, neue Nahrung gefunden haben.

Indessen sind sie gar sehr übertrieben. Eingenaueres Studium des Bankwesens zeigt aufdas Unwidersprechlichste, daß überall es nurzwei Klippen desselben giebt, und daß es indie Gewalt der Regierungen gegeben ist, beidezu vermeiden. Banken setzen zu viele Noten inUmlauf, entweder, wenn sie, wie in Nord-amerika, und wie die Landbanken in England,ohne weitere Controls der Regierungen ganzsich selbst überlassen sind, oder wenn sie, wiedies in Europa der stete Anlaß zu Bankbrüchengewesen ist, von den Regierungen zu Deckungihrer Finanzverlegenheiten benutzt werden. Inalle Wege liegt also das Mißliche der Bankan-stalten keinesweges in diesen selbst, sondern esist ganz in die Hand der Regierungen gegeben,