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Wahrend des französischen Revolutions-krieges traten jedoch unter den Whigs Spal-tungen ein, und es entwickelte sich endlich eineneue Partei, die der Reformers, aus densel-ben, so daß es nunmehr gemäßigte Whigs undReformers gab, unter denen sich anfangs vor-züglich der bekannte Sir F.rancis Bürdet aus-zeichnete.
Jene wollten blos Erhaltung der bestehen-den Freiheiten und Schutz des Bestehendenüberhaupt gegen die Eingriffe der Regierung;diese, wie schon der Name andeutet, Abände-rungen in der Verfassung, und zwar zu Gun-sten des Volks. Sie wollten vorzüglich ei:wReform des Parlaments, die Abschaffung desWahlrechts der verfaulten Flecken (rottenborouFt^), die Uebertragung desselben auf diegroßen neuerdings entstandenen Fabrikstädteund die Gleichheit der verschiedenen Kirchen.
Bald aber bildete sich neben ihnen nocheine andere, die Sachen auf die Spitze stellendePartei, die Partei der Radicalreformer, anderen Spitze Hunt und Cobbet traten; zu ih-nen schlugen sich auch einige im Parlamentesitzende Reformers, wie Wilson, Sir FrancisBurdett und Hobhouse.
Sie wollte eine Verminderung der Abga-ben , eine freie und gleiche Parlamentswahl,Allgemeinheit des Wahlrechts und jährlicheParlamente. Vorzüglich empörte sie die Ab-schaffung der Einkommenta.re, die allein aufden wohlhabender!: Sassen geruht hatte, wäh-rend die Abgaben, die auf den ärmeren Classenlasteten, nur unbedeutende Minderung erfah-ren hatten.
Da nun bald darauf die Theuerung derJahre 1817 und 1818 die Noth des Volkes ver-mehrte, und um diese Zeit auch die Ludditenoder Maschineuzerstörer ihren Unfug anfingen,so bemächtigten sich einige der Partei angehö-rende Männer, wie Hunt, Watfon, Thistle-wood, Wooler, Preston und andere der Volks-bewegung, hielten häufige Versammlungen,fingen an das Volk in den Waffen zu übenund Hunt hielt am 16. August 1819 zu Man-chester eine Volksversammlung, welcher über100,000 Menschen beiwohnten.
Die Obrigkeit ließ jedoch die Aufruhracteverlesen, die berittene Miliz (Ueomanry) vonHusaren und Infanterie unterstützt, als dieVersammlung nicht auseinanderging, auf sieeinhacken, dieselbe zerstreuen, wobei mehrereaus dem Volke getödtet oder verwundet wur-den, und Hunt und seine Mitschuldigen ver-haften, welche hierauf als Verschwörer, diedie Gesetze des Landes mit Gewalt ändernwollten, angeklagt wurden.
Allein Hunt wurde gegen Bürgschaft ent-lassen und hielt am 13. Sept. 1810 einen tri-uruphireudeu Einzug in London. Es wurdennun überall wieder Versammlungen gehalten.
Da machten die Minister Ernst und es tra-ten selbst die Whigs auf ihre Seite. Es wur-den 5 Bills in das Parlament gebracht, we-gen Stempelung der Flugblätter, gegen politi-sche und religiöse Schmähschriften, wegen Be-schränkung der Volksversammlungen, wegenVerbots der militairischen Uebungen und we-gen Wegnahme der Waffen in den Häusern,die schnell angenommen wurden und bereitsam30. Dec. 1819 die königliche Sanction er-hielten. Zu gleicher Zeit bewilligte das Par-lament große Summen für arme Auswande-rer , und da sich auch der Handel und die In-dustrie sehr hoben , so wurde endlich die Ruhewieder hergestellt.
Indessen wurde im Laufe der Zeit wirklichmanche Reform vorgenommen, die Katholikenwurden emancipirt, das Wahlrecht der Rot-tenboroughs wurde theilweise aufgehoben, meh-rere neu entstandene Städte konnten Abgeord-nete in das Parlament schicken, die Städtever-safsung wurde von manchen Mißbräuchen ge-reiniget u. s. w., so daß die „Reformers"unter den Whigs zufrieden gestellt sind, unddie Whigs wiederum nur eine Partei bilden,die als solche allerdings den Tones gegen-übersteht.
Die strengen Tones erklären sich für dieNothwendigkeit der strengen Ausrechthaltungder bischöflichen Kirche, sie erkennen das gött-liche Recht der Könige und somit ihr unaus-hebliches Erbrecht an, und verlangen unbe-dingten Gehorsam. Die strengen Whigs da-gegen finden den Ursprung der Souverainetätim Volke, und halten es daher für erlaubt,den König, wenn er seine Gewalt mißbraucht,abzusetzen, und selbst seine Familie von derThronfolge auszuschließen.
Indessen giebt es bei beiden Parteien inBezug auf die einzelnen Punkte sehr verschie-dene Ansichten und Abstufungen und die ge-mäßigten Tories und die gemäßigten Whigsstehen einander nicht sehr fern.
In dem Parlamente giebt es außerdemnoch einige Mitglieder, die sich zu den Grund-sätzen der ehemaligen Radicalreformer halten;außer demselben verfolgen die Chartisten ähn-liche Zwecke und schlagen auch ziemlich ähn-liche Wege ein, wie die Radicalreformer; siehalten Volksversammlungen, und militairischeUebungen. Doch zeigt sich auch hier die Re-gierung kräftig, und hat die Anführer der-selben, unter denen Frost hervorragt, vor Ge-
richt stellen lassen. Ersterer wurde zum Todeverurrheilt, ist aber bekanntlich begnadigetworden.
Noch giebt es eine andere Partei in Eng-land, die der Nepealer. Doch bezieht sich dieseauf das Verhältniß zwischen Irland und Eng-land, weshalb wir aus die früheren Parteienin Irland, die freilich wenig Erfreuliches dar-bieten, zurückgehen müssen. Nach Jakobs desZweiten Flucht aus England blieb der katholi-sche Statthalter von Irland, Talbot Graf vonTyrconnel, dem Könige treu, und erklärte dieProtestanten, die Wilhelm den Dritten aner-kannten, für Empörer. Aber er wurde amBayneflusse geschlagen, die Insel unterworfen,die Katholiken von allen Staatsämtern ausge-schlossen, ihrer Besitzungen beraubt, und durchdie Protestanten auf das Härteste bedrückt. DieKatholiken nannten die Protestanten nunmehr,wegen ihrer Anhänglichkeit an das Haus Ona-nien, die Orangemen; ein Parteiname, dersich bis heute erhalten hat.
Die französische Revolution rüste indessenauch unter den irischen Katholiken Bewegun-gen hervor, und es trat im Jahre 1791 dieGesellschaft der vereinigten Jrländer zusam-men, deren Zweck die Gleichstellung der Rechte,der katholischen und protestantischen Kircheund die Verbesserung des damaligen irischenParlaments war.
Die Orangemen waffneten sich und eswurden so harte Maßregeln ergriffen, daß sicham Ende, da auch die Franzosen den Katho-liken Unterstützung versprächet:, ein heftigerAufruhr entzündete, der nur mit Mühe ge-dämpft ward. Während dieses Aufruhrs ent-standen die verschiedenen Parteien der White-boys, Rightboys, Levellers, Defenders undRibbonmen, die viele Ausschweifungen begin-gen, und alle Zweige eines Ganzer: waren.
Endlich erfolgte im Jahre 1801 die Ver-einigung Irlands mit England, und das ir-ländische Parlament hörte dadurch aus.
Doch erhielten sich die „vereinigten Jrlän-der" und die Whiteboys, und begingen solcheUnordnungen, daß im Jahre 1821 die Truppeneinschreiten mußten. Die Jnsnrgenten wur-den zerstreut, die Anführer hingerichtet, dieAufruhr-Acte verkündet, und die HabeaS-Cor-pusacte außer Kraft gesetzt. Indessen befein-deten sich im Einzelnen Whiteboys und Oran-gemen fortwährend.
Dabei hatte sich inzwischen ein katholischerVerein gebildet, der, unter O'Connells Leitung,auf konstitutionellem Wege das zu erstrebensuchte, was jene auf dem Wege des Aufruhrsverfehlt hatten.