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Betreff der Sperre, oder richtiger des Sperr-geldes, und die meisten liefen darauf hinaus,die Zeit etwas später anzusetzen, im Sommerdie Thore bis 10 Uhr Abends und in den übri-gen Jahreszeiten bis 8 Uhr gänzlich frei zulassen, und das Sperrgeld auf die Hälfte her-abzusetzen. Die meisten nahmen ihre Argu-mente daher, daß so Mancher sein Geschäftaußerhalb der Thore der eigentlichen Stadt,aber noch immer auf dem Gebiete derselbensuchen und bei seiner Heimkehr eine so starkeAbgabe dafür geben muß, und daß dann wie-derum viele Bewohner der Vorstädte, in derStadt ihren Erwerb treibend, dasselbe an dieStaatscaffe abgeben müssen, und zwar keinGeringes, etwa 25 Rthlr. Preußisch im Jahrefür den, der an den Wochentagen täglich nureinmal die Thore passirt. Man war natürlichauf die Convocation der „Erbgesessenen Bür-gerschaft", die in diesen Tagen stattfindensollte, um mehreren Gesetzvorschlägen ihreSanction zu geben, sehr gespannt, da manwußte, daß das Sperr-Reglement auch dar-unter sein würde. Und da feierte denn diePresse den Sieg; es wurde die Sperre freilichwieder auf die drei Jahre 41, 42 und 1843 „be-liebt" (außerhalb der Sitzung sehr unbeliebt),aber doch mit der bedeutenden Modifikation(das Ausland wird noch mehr darüber erstau-nen, als über die Portoherabsetzung der Eng-länder im vorigen Jahre), daß die Zeit derThorschließung nicht mehr alle 8 Tage sich umeine Viertelstunde, nein, sie solle sich von1841 an alle 14 Tage um eine halbe Stundeandern. Nun klage man noch, daß keine groß-herzigen Ideen hier im Schwange sind! Einige jVorlauE^var meinen, die Erbgesessene Bür-gerschaft kenne nicht die Bedürfnisse des ge-ringeren Mannes, Andere gehen sogar so weitzu behaupten, diese reicheren Leute hätten ge-fürchtet, der Ausfall durch einen geringerenAnsatz würde bei einer anderweitig beliebtenSteuer auf sie selbst zurückfallen, und darum...., doch ich will mit so lästerlichen Behaup-tungen meine Feder nicht entweihen. Sovielist gewiß, das Deficit, das schon seit Jahrenhier herrscht, will im Gegensatze zur Vergröße-rungssucht, die unter allen Classen vorherr-schend ist, sich nicht vergrößern lassen und habedagegen protestirt, und das Deficit ist eine sorespektable Person, die man im hohen Gradeachten muß. —
Die Concerte, dieFranz L i s zt hier indiesen Tagen gab, haben eine Polemik hervor-gerufen, die mit vieler Bitterkeit und hämi-schen Anzüglichkeiten geführt wurde. Es be-steht nämlich hier die Regel, daß jeder Con-
certgeber die Direktion des Stadttheaters umErlaubniß bitten muß, wenn er Mitgliederder Bühne zu seiner Unterstützung in den Con-certen zu haben wünscht. Liszt hatte dieseErlaubniß nicht nachgesucht und dennoch inseinem Programm den Gesang einiger an derhiesigen Bühne Engagirter angekündigt. DerConcert-Abend war da, die Sänger fehlten;die Direktion des Theaters, die durch ihrenContract ein Recht dazu hat, hatte den Er-wähnten das Erscheinen im Concerte verboten,und so mußte Liszt allein sein Concert geben.Damit war das Publikum freilich zufrieden,aber nicht mit der Theaterdirection, von derman es sehr anmaßend fand, gegen einenKünstler wie Liszt feindselig aufzutreten. Nungährte es in den Gemüthern, und siehe da! esergoß sich in den hiesigen Blättern eine Fluthvon Schmähungen; es wurde replicirt undduplicirt, die Direktion und Liszt wurden Wech-selsweise in den Himmel erhoben und in denStaub getreten, und dadurch werden denn ne-benher, versteht sich ohne Absicht, aus Unkundeder Führung des Federkrieges die Künstler unddie Kunst sehr herabgewürdigt — dahin führtder zu weit getriebene Eifer. Die Direktiondes Stadttheaters, die durchaus keine Unter-stützung irgendwelcher Art erhält, hat über-haupt hier in den letzteren Jahren einen schwe-ren Stand erhalten. Seitdem man bei außer-gewöhnlichen Gelegenheiten ein Paar MaleAnsprachen an die Direktion, im Theater sel-tener, besonders aber in den Zeitungen hatergehen lassen, glaubt Jeder sich berufen, dieDirektion auch bei der unbedeutendsten Ver-anlassung öffentlich zur Rechenschaft zu ziehen,ein Verfahren, das nothwendig schaden muß,da eine Direktion nur auf die öffentliche Mei-nung von ihrem richtigen Benehmen basirt ist.Außerdem tauchen immer mehr kleine Theaterin den Vorstädten auf, die, nicht wenig be-sucht, eben so gut wie das sogenannte zweiteTheater, den Besuch in dem Stadttheater schmä-lern; Anfeindungen und geringe Einnahmensind aber nicht geeignet, den Muth ausrecht zuerhalten. Wenn, wie es gewiß wünschens-werth ist, eine allgemeine Reform des TheatersNoth thut, so wird unter solchen Umständenvon hier aus gewiß nichts geleistet werdenkönnen, vielmehr ist alle Wahrscheinlichkeitvorhanden, daß die hiesige Bühne, die nochvor dreißig Jahren einen so großen Ruf hatte,immer mehr sinken wird, und daß dann Man-cher, der durch sein immerwährendes Tadelnzu bessern vermeinte, sich bei einiger Redlich-keit selbst wird sagen müssen, auch Du hast dasDeinige zum Verfalle beigetragen. —
Etwas Spukhaft-Dämonisches muß dochdie Marseillaise an sich haben; auch hier wirdsie auf den Straßen, von den Leierkasten, undward auch neulich im Theater gehört. Ham-burg hat zu viel bei der Besetzung von denFranzosen, wie bei der Einverleibung in dasfranzösische Reich gelitten, als daß es nochirgend Gefallen an Sieg der Franzosen, wohlgleichbedeutend mit Eroberung und Beutema-chen, haben könnte. Schwerlich wünscht hierJemand eine Veränderung der Verfassung, ge-schweige unter eine Fremdherrschaft zu gera-then und dennoch die Marseillaise? — Esgeht den Erwachsenen, wie es den Kinderngeht, wenn man ihnen Gespenstergeschichtenerzählt. Dort in der Ecke, heißt es, kommtder große Mann mit feurigen Augen! Raschwerden die Augen geschloffen, sie fürchten sichja vor dem Manne; gleich darauf schielen sieneugierig wieder hin, unwillkürlich wird ihrÄlick mit einer eigenen Mischung von Neugierund Furcht angezogen. Und dieser scheinbareWiderspruch liegt gewiß tief in der menschli-chen Natur begründet, und ließe sich bei vielenAnlässen nachweisen, besonders bei denen, woman nicht so ganz im Reinen mit seinen Ge-fühlen und Ansichten ist; bei dem Franzosen-thum ist dies, bei sehr Vielen wenigstens, sicherauch der Fall. Daß ein Theil der hiesigenKaufmannschaft einen Krieg, aber hübsch sitt-sam und in weiter Ferne geführt, nicht ungernsähe, wer will das leugnen oder verargen,denn Krieg bringt Umsatz und durch Umsatzwird gewonnen. Gewinn und Vergnügen,oder Gewinn um des Vergnügens willen, dasist die Losung.
*»* Aus Berlin , Ende November.
Die Berufung des Pros. Stahlnach Berlin. — Die Berufung des Pro-fessor Stahl aus Erlangen an die hiesigeUniversität ist nicht ganz ohne Opposition ge-blieben. Und da es bei uns nicht gerade Modeist, durch den Kopf Opposition zumachen,so hat sich dieselbe bei dieser Gelegenheit durchdie Füße verrathen, welche mehrere Zuhörerdes Herrn Professor Stahl bei seinen erstenVorlesungen in Bewegung setzten, um dadurchihre Mißbilligung gegen die von ihm bekann-ten Tendenzen und Principien an den Tag zulegen. Ueber dies Mißgeschick müssen wir zu-vörderst unser Bedauern aussprechen, da eseinen Mann betroffen, der, aus einem eigen-thümlichen und zum Theil den Einflüssen sei-nes Vaterlandes ungehörigen Bildungsgang,sich plötzlich in die hiesige Sphäre verschlagen