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ten wir uns unter die betenden Männer, undunter die schleierumwallten Frauen, Gott fürdie glückliche Einfahrt in das laug ersehnteLand dankend.
Der Himmel war völlig wolkenleer ge-worden, und welcher wunderbare Kontrastwar es für uns, die wir noch vor 24 Stundendas Sausen des Gletscherwindes und das To-sen der Bergströme gehört hatten, von demAltane des Gasthofes in die reichste italienischeWiesenlandschast hineinzuschauen. Im Vor-dergründe glitten sanft die Wasser des Ticino,aus deren Klarheit der blaue Himmel und dervolle Mond widerglänzten; und hinter ihnenvereinten sich in den üppigen Blättern derNußbäume und der stillen hohen Pappeln diesilbernen Strahlen Lunas mit den goldenenStreifen des verglühenden Abendroths zu ma-gischem Lichte. Wie ruhig, wie weich waralles in dieser Natur! Wie frei athmete dieBrust im molligen Hauche der Abendluft, undmit welcher Süßigkeit fühlten wir in jederNerve Italien. O, Land der Sagen und derPoesie, der Kunst und der Geschichte, begrüßestdu uns schon mit so lieblichen Tönen, prangstdu schon mit solcher Farbenpracht an dem eisi-gen Fuße der Alpen; sage, mit welchen Blicken,welchen Zaubern wirst du unsere Herzen fes-seln, wenn wir von den Zinnen des St. Pe-ters , in dem Feengarten Napolis dein leuch-tendes Antlitz schauen werden!
Diese Gefühle begleiteten uns in denTraum hinüber, und sie erwachten neu, alswir den andern Mittag, nachdem wir raschdie fruchtbare Ebene durchschnitten hatten, indem freudigen Mailand einfuhren.
Vermischte Nachrichten.
* Aus Dänemark.
Der Gang nach Golgatha und derEinzug in Jerusalem. — Der BesitzThorwaldsen's und seiner Kunstschätzewird die Veranlassung sein, daß Kopenhagenvon Jahr zu Jahr immer mehr von Fremdenbesucht wird, und zwar vorzüglich von denBewohnern der nördlichen Hälfte Europas,denen eine Reise nach Italien theils zu kost-spielig und zeitraubend, theils zu unbequemist. Das Museum, das für die Arbeiten desnordischen Künstlers erbaut wird, ist es nichtallein, das die Blicke des Kunstkenners auf sichziehen wird, sondern außer andern Gebäuden,die von seinen Arbeiten enthalten, ist es vor-züglich die Frauenkirche, die im Besitze von
Sculpturen ist, die besonders darum um sosehenswertster sind, weil sie im Style derAlten große Scenen des Christenthums demBeschauer vorführen. Es würde den engenRaum eines Journals, das nicht für Kunstallein bestimmt ist, überschreiten, wenn auchnur alle die Frauenkirche zierenden SculpturenThorwaldsen's hier beschrieben werden sollten;versagen können wir es uns aber nicht, zweider neuesten Friese etwas umständlicher zubeschreiben. Das eine ist der Gang nachGolgatha. Man sieht zuerst mehrere Zu-schauer bei dem traurigen Feste, die nach Gol-gatha hinaufgehen, unter ihnen eine Muttermit zwei Kindern; ein kleiner Hund zieht dieAufmerksamkeit des einen Kindes auf sich;darauf folgen die römischen Krieger in ihrereigenthümlichen Kleidung, mit dem Speere inder Hand. Sie betrachten mit kalter Gleich-gültigkeit den ganzen Aufzug, und nur ihrerPflicht gehorchend, schreiten sie vorwärts. —Wiederum sieht man mehrere Zuschauer, dar-auf einen römischen Anführer zu Pferde, einenSoldaten, der mit seinem Speere die Zuschauerzurückhält und endlich die beiden Räuber, dieHände auf dem Rücken gebunden und voneinem Henker geführt. Diese beiden ausge-zeichneten Figuren ziehen vorzugsweise dieAufmerksamkeit auf sich; der eine Hat einschön gebildetes Gesicht, dessen Blick mit Gott-ergebenheit zum Himmel gerichtet ist, und derBeschauer glaubt, die todten, aber dennoch sosprechenden Lippen stammeln die schönen reui-gen Worte hervor: „Herr, denke an mich,wenn Du in Dein Reich kommst;" der andereRäuber hat dagegen ein finsteres, aber äußerstcharakteristisches Gesicht, aus welchem Trotzund Hohn, mit unterdrücktem Aerger gemischt,hervorleuchtet; die ganze Figur ist herrlichund chlit dem Sinn für Schönheit ausgeführt,welcher ihren großen Meister immer auszeich-net. Auf die Räuber folgt ein Henkersknechtmit einem stark markirten Gesichte, in welchemverschiedene Leidenschaften ausgeprägt sind;sein Körperbau ist muskulös und vollkommenzu dem Handwerk passend, das er treibt. Aufdem Nacken trägt er eine Leiter und in derHand einen Korb mit Geräthschaften zur Kreu-zigung; ihn begleitet sein Sohn mit einemSacke, der vermuthlich mehrere Geräthschaftenzu demselben Zwecke enthält. Der Ausdruckseines Gesichtes ist eine Mischung von Dumm-heit und Gleichgültigkeit, erzeugt von den ver- lschiedenen Scenen, von denen er seit seinerKindheit Zeuge gewesen ist. — Auf alle diesePersonen folgt der Erlöser mit seinem Kreuze,um welches ein Strick geschlungen ist, an dem
ein dritter Henkersknecht zieht, um den Schrittdes Erlösers zu beschleunigen. Eine herrlicheDarstellung, würdig des Meisters, von demsie ausgegangen ist. Gebeugt von irdischenLeiden, aber sicher vertrauend auf seinen Vaterim Himmel, steht der Erlöser mit seinem schwe-ren Kreuze — dem Kreuze, das er der Men-schen wegen trägt — vor dem Blicke des Be-schauers. Seine rechte Hand ist ausgestrecktgegen eine Gruppe weinender Weiber, die ermit den Worten tröstet: „Weinet nicht übermich, Ihr Weiber von Jerusalem, sondern wei-net über Euch selbst und Eure Kinder!" Sanf-ter Ernst, eine ruhige Resignation und Erge-bung in sein Schicksal sind die Hauptzüge, dieman auf dem Gesichte des Erlösers liest, unddie einen herrlichen Gegensatz bilden gegendas Weinen der Weiber und die Niedergeschla-genheit, womit Simon von Cyrene, der vomFelde hergeholt worden ist, um Christus dasKreuz tragen zu helfen, seinen Meister undHerrn betrachtet. —Darauf sieht man in einerGruppe Maria, ohnmächtig zur Erde sinkend,niedergebeugt von Kummer über den geliebtenSohn; sie wird von Magdalene unterstützt undvon dem frommenJohannes von der Erde auf-gehoben. Hinter ihnen steht Joseph; mit derrechten Hand an der Wange und den Stab inder Linken, betrachtet er gerührt die traurigeGruppe. Darauf folgen mehrere Schriftge-lehrte zu Pferde; einer von ihnen, der nichtgewohnt ist zu reiten, halt sich an der Mähnedes Pferdes und strebt vorwärts, um doch auchZeuge Seines Todes zu sein, dessen, derdurch einen Kuß verrathen wurde. RömischeSoldaten schließen den Zug. Am äußerstenEnde des Frieses sieht man einen Theil desGerichtshauses mit der Treppe desselben; eineMenge Volkes ist hier versammelt und Pilatustritt heraus auf die obere Schwelle der Treppeund wascht seine Hände in einem Becken, dasein Knabe mit einem schönen kindlichen Ge-sichte hält. Ein Freund Jesu sitzt auf einerStufe der Treppe, er ist tief betrübt, und seinGesicht trägt den Ausdruck des Kummers undder Leiden. — Hat Thorwaldsen im Gangnach Golgatha uns die Trauer in ihren ver-schiedenen Gestalten geschildert, so sehen wirdagegen in dem zweiten Fries, der Einzugin Jerusalem, die Freude sich äußern, undunter dem Jubel seiner Anhänger hält der Ge-salbte seinen Einzug in die heilige Stadt. Mansieht zuerst eine Familie, die aus den ThorenJerusalems gekommen ist; der Vater, die Mut-ter und die vier Kinder bilden eine bewunde-rungswürdig schöne Gruppe, die alle denErlöser preisen und nur wenig auf die zwei