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Tageszettel.
—- * Eine Protestation gegen die Beru-fung des Professor Stahl nach Berlin an dieStelle von Gans soll auch in der Facultät selbstsich geregt und dort namentlich auf die mysti-sche Begründung der Ehe, welche sich inStahl's „Philosophie des Rechts nach ge-schichtlicher Ansicht" findet, sich gestützt haben.Diese Stelle lautet in jenem Buche des Pro-fessor Stahl wörtlich folgendermaßen:
„Damit endlich der Mensch auch durchZeugung Gott ähnlich sei, befindet er sich inder Famili e. Die geoffenbarte Lehre von derewigen Zeugung des Sohnes kann allein dasWesen der Familie aufklaren. Die Zeugungbesteht in ihrem Urbilde wesentlich aus zweiVerhältnissen. Das erste ist die Vollkommen-heit und Seligkeit Gottes, welche der Zeugungvorausgeht und das Motiv derselben ist: dasandereist das Verhältniß Gottes, nun desVaters, zu dem Gezeugten. Damit verbin-det sich ein drittes: die Mittheilung seinesReiches an den Sohn. Dies sind die Urver-haltnisse, ihnen entsprechen die drei Grundver-hältnisse der Familie: Ehe, Verhältniß derEltern und Kinder, Erbschaft. Die Vollkom-menheit Gottes ist in dem nachgebildeten Ver-hältnisse der Ehe nach dem Charakter des Men-schen an zwei Geschlechter vertheilt, welche sichdurch sie dann zu dem Einen vollen Menschenergänzen. Indem der Mensch das EbenbildGottes ist, das volle Bild des Menschen abernur in beiden Geschlechtern zusammen besteht,so muß in Gott das Urbild, nach welchem derMensch geschaffen ist, das Leider Geschlechterin ihrer Einheit sein. Gott unterscheidet underkennt von Ewigkeit sich selbst als den All-mächtigen, Herrlichen, Majestätischen, Gerech-ten, als welcher er das Urbilv desMannes ist: und als den Sanften, und de-müthigen Herzens voll hinopfernder Liebe, wiewir es im Sohne gesehen haben, als wel-cher er das Urbild des Weibes ist.Aus der Ehe ist erst das Urbild wieder zuerkennen, welchen alles Geschlechtsverhältnißnachgebildet ist, wieesinGottselbftsichfindet. Denn in Gott ist kein Begehren undkeine bedürftige Sehnsucht, sondern dieewigeBefriedigung. Auch der Erzählung desalten Testaments, daß die Frau aus der Rippedes Mannes genommen wurde, entspricht dieseDarstellung des Urbildes der Ehe. Ja, esscheint sogar nach jener Erzählung, daß der
Mensch, anfänglich auch hierin Gott ähnlich,als ein in sich vollkommnes Wesen geschaffenworden, und erst nachher die Sonderung inzwei Geschlechter mit ihm vorgegangen seiDie Ehe ist in unserm Zustande auf den Physi-schen Trieb gegründet, der durch Wollust denGeist bewältigt, und hat sich dadurch geradeim Moment ihrer höchsten Erfüllung vomUrbild entfernt, indem das Motiv derZe re-gn ng, welches bei Gott nur die Liebe zumSohne ist, beim Menschen, wenigstens währendderselben, in der Selbstbefriedigung der Ge-schlechter liegt" *).
— * Die in Commission bei W. Ein-horn in Leipzig erschienene Schrift: „AndieDeutschen und insbesondere diePreußen über das Verlangen nachPreßfreiheit in Deutschland undnach einer Constitution im preußi-schen Staate, die als Beschwichtigungs-und Besänftigungsepistel gegen die neuempor-geschossenen konstitutionellen Triebe nur sehrmatte Zugpflaster auflegt, enthält doch fol-gende erwähnenswerthe Stelle: „Unmöglichzu glauben ist das Zeitungsgeschwätz, daß imMinifterio des Cultus die Angelegenheiten derprotestantischen Kirche durch den Ober-präsidenten in Frankfurt, vonGerlach, ge-leitet werden sollen. Dieser H. vonGerlachwar schon als Oberlandes - Gerichtsrath zuNaumburg sehr in frömmelnde Umtriebeverwickelt, und als Landesgerichtsdirector inHalle lieferte er (wie eingestanden wurde) dieberüchtigten Denunciationen gegen Ge se-niles und Wegscheider in Hengsten-berg's evangelischer Kirchenzeitung!! Mehrbraucht wohl nicht gesagt zu werden, um jeneZeitungsnachricht über ihn als nichtig zubezeichnen. Eine Anstellung dieses Mannesals Chef der protestantischen kirchlichen Ange-legenheiten im Ministerio des Cultus wäre wieein Losungswort zu neuen Wölleriaden,und müßte die hellsten Köpfe und die gebildet-sten Menschen nicht allein in Preußen, sondernauch im ganzen protestantischen Deutschland,mit Trauer und Unwillen erfüllen!! Derglei-
*) Diese und andere Stellen finden bereits in densehr tüchtigen und scharfsinnigen Studien undKritiken zur Theologie und Philoso-phie, von Dr. I. Frauenstadt, vergl. beson-ders S.33—35, die ihnen gebührende Verurtheilung.
chen ist von Friedrich Wilhelm IV. nicht zufürchten!" —*
Neuigkeiten der Literatur.
Im Verlage von I. F. Hammer ich inAlton« ist erschienen: Zeus. Der Helle-nen mythisches Gedicht, nach denHauptmomenten episch gebildet,von Friedrich Clemens. Eine populaireMythologie in Versen, mit besonderer Berück-sichtigung eines Damenpublicums, dem beson-ders die decente Behandlung der anstößigenElemente der Mythenwelt gilt. FriedrichClemens hat hier in rhythmischer Form un-gefähr dasselbe leisten wollen, was Moritz inseiner Mythologie für Damen gethan,doch kam es dem neuen Bearbeiter zugleichdarauf an, den produktiven Werth einer selbst-ständigen Dichtung zu behaupten. Dies ist ihman vielen Stellen, die einen wahrhaft poeti-schen Aufschwung nehmen, gelungen. Im Gan-zen war aber derZweck ein zu untergeordne-ter, um der poetischen Behandlung günstig zusein, und Hr. Clemens, dem sich ein bedeuten-des Talent durchaus nicht absprechen läßt,hätte lieber an einem bessern Unternehmen seineKräfte entwickeln sollen. Die Form dieses my-thologischen Gedichts besteht aus zehnzeiligenStrophen, deren sich beinahe tausend hier fin-den. Der fleißige Verfasser bezeichnet dieseseine neueste Arbeit als sein „zwölftesWerk", und eignet die Mythologie, in pas-sender Verknüpfung, der mythischen Bet-tina zu. —
Im Verlage von Wilhelm Einhornin Leipzig erschien: Weihgeschenk fürFrauen und Jungfrauen. BriefeüberästhetischeBildung weiblich erJugend, von Chr. Oeser, in zweiterAuflage, mit einem Titelkupfer. Der Ver-fasser hat den richtigen Ton getroffen, eineArt von Aesthetik für die weiblicheJugend zu liefern und seine Arbeit ist imBetracht ihrer Bestimmung sehr zu empfehlen.Unter diesem Gesichtspunkt hat Manches seineGültigkeit, was sonst nicht ohne Widerspruchdurchzulassen wäre. Die Ausstattung ist sehrgeschmackvoll und das Titelkupfer, welches das„Urtheil des Paris" darstellt, gelungen zunennen.