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Freundschaftliche Lehren / aus dem Französischen übersetzt
Entstehung
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r8 Freundschaftliche

Man machet die Wahrheiten nicht zwei-felhaft, die auf die Empfindung und die Er-fahrung gegründet sind.

Die lasterhaften Menschen können ihreGewissens-Bisse nicht stillen, wie man ins-gemein glaubet: Was ein Laster in Euro-pa ist, ist auch ein Laster in Indien.

Die verschiedene Religionen haben ver-schiedene Gesetze gezeuget; und verschiedeneLänder verschiedene Gebräuche. Mankandiese Verschiedenheit nicht, ohne blind zuseyn, auf die natürlichen Gesetze erstrecken,die unveränderlich bleiben. Die Treulosig-keit, die Lügen, der Mord, der Dieb-stahl re. re. find einem Schwarze», so wenigerlaubt als den Weißen; das Gewissenverdammte diese Laster vor vier tausendJahren, wie es sie heut zu Tage verdam-met ; und die Völker, die wir vör die grau-samsten und wildesten halten, sind nicht die,die am wenigsten Ehrerbietung vor dasselbehaben.

Wie sind diese Gesetze in unsere Herzen,und in alle Herzen gleich geschrieben? Dasist etwas wunderbares, das ich nicht un-ternehmen will zu erklären; man muß esunter die Dinge setzen, die wir auf demSchauplätze dieser Welt sehen, und die esbesser ist zu bewundern, als vergeblich zuerforschen. Die wahre Philosophie erken-