Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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I. Zeitalter der Kirchentrennung.

er förmlich die Christen auf, die Synagogen mit Feuer zu verbren-nen, und jeder solle Schwefel und Pech zuwerfen; dann solle manihnen alle ihre Bücher, auch die Bibel nehmen, ihnen allen Gottes-dienst bei Strafe verbieten, mit ihnen nach aller Unbarmherzigkeitverfahren und sie zuletzt aus dem Lande jagen. Die zweite Schriftvon Schcm-Hamphoras, begann mit der Erklärung, die Juden seienjunge, zur Hölle verdammte Teufel; im Verlauf aber ergeht er sichmit so widerwärtigen gemeinen Bildern und Schilderungen, daßselbst seine Anhänger später dieser Schrift mit Scham gedachten.Ueberhaupt brachte Luther die letzten Jahre seines Lebens in einerdüstern Stimmung, in fortwährender Bitterkeit und in dem stetswiederkehrenden Wunsche zu, recht bald durch den Tod dem Anblickeso vieler unerträglichen Dinge entrückt zu werden. Die katholischeKirche hatte seine Hoffnung eines baldigen Zerfalles getäuscht undihr Fortbestand drückte seiner Genossenschaft das Brandmal einerSecte auf; die Schweizer Kirchcnpartei breitete sich weiter aus, dieVersöhnung zwischen den beiden großen protestantischen Körpern warmißlungen, die Spaltung vollendet, Fürsten, Adel, Bürger undBauern bereicherten sich mit der Beute des Kirchengutes, ließenPrediger darben, oder mißhandelten sie, trösteten sich fleißig mit demneuen Evangelium und führten dabei ein Leben, das den Charakterder neuen Lehre in ein höchst ungünstiges Licht stellte. Die Predigeraber haderten allenthalben untereinander und brachten ihre Streit-händel auf die Kanzel. Jn Wittenbcrg war die Zuchtlosigkcit so arggeworden, daß Luther, wie er seiner Frau schrieb, eher umherschweifenddas Bcttelbrod essen wollte, als in diesem Sodoma leben. In solchenStimmungen ereilte ihn der Tod am 22. Februar 1846 zu Eisleben,wohin er zur Schlichtung eines Streites des Grafen von Mans-feld gekommen war.

Wenn man den mit Recht einen großen Mann nennt, der mitgewaltigen Kräften und Gaben ausgerüstet, Großes vollbringt, derals ein kühner Gesetzgeber im Reiche der Geister Millionen sich undseinem Systeme dienstbar macht — dann muß der Sohn des Bauernvon Möhra den großen, ja den größten Männern beigezählt werden.Auch das ist richtig, daß er ein thcilnehmender Freund, frei vonHabsucht und Geldgier und Andern zu helfen bereit war. Aber wirmüssen ihn als öffentlichen Charakter, als Reformator und Stiftereiner neuen Kirche betrachten. Die Sprache der zweifellosesten Zu-versicht, der unfehlbarsten Gewißheit in allen Behauptungen wußteLuther mit der größten Leichtigkeit zu sichren; er versicherte in den