Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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I. Zeitalter der Kirchentremmng.

von mehr als vierhundert Meilen, meist schöne und fruchtbare Ebenenund zerstörten eine Menge mit Menschen und edlen Metallen ange-füllte Orte. Große Volksstämme sammt ihrer Sprache wurden sogänzlich ausgerottet, daß man später keine Spur mehr von ihnenfinden wird, wenn sich nicht einige Flüchtlinge in Höhlen und Ab-gründen verborgen haben und so dem würgenden Schlachtmesser ent-rannen. Sie ermordeten auf die verruchteste und ausgedachteste Weisean fünf Millionen harmloser Eingebornen, und bis auf den heutigenTag hat das Würgen noch kein Ende.

Wollte ich alle Provinzen, welche diese Barbaren verwüsteten,und alle Städte und Flecken, welche sie in Brand steckten, namhaftmachen, so würde man, obschon ich nur Wahres erzählte, schaudernund mir schwerlich Glauben schenken. Alle diese Schandthaten sindaber durch hinlängliche Zeugnisse erwiesen, und doch hat man vondiesen verfluchten Barbaren noch keinen einzigen verbrannt oder auchnur bestraft. Der Schaden, welchen sie dem königlichen Schatzezufügten, bcläuft sich auf Millionen, denn in einem Zeitraume vonsechszehn Jahren plünderten und verwüsteten sie eine wenigstens vier-hundert Meilen große Landstrecke, welche so reich au Gold und sogesegnet an Menschen war, wie irgend eine andere auf der ganzenWelt. Man glaube ja nicht, daß dieser Verlust jetzt oder je wiederersetzt werden könne, der Allmächtige müßte denn die MillionenSeelen, welche hier in die Ewigkeit geschickt wurden, wieder von denTodten erwecken.

Las Casas wendet sich darauf mit strengen Worten an denköniglichen Gerichtshof auf Espannola, und wirft ihm vor, daß erall' diesen Gräueln in der neuen Welt nicht nur durch die Fingersehe, sondern sie sogar aus schmutzigem Eigennütze begünstige. Zuletztrichtet er die inständigsten und dringendsten Bitten an seinen Monarchen,diesem Unfuge möglichst schnell zu steuern, und durch die strengstenMaßregeln den Rest der Bevölkerung Westindiens zu retten. SeineVorstellungen machten auch wirklich aus Karl V. einen sehr tiefenEindruck, daß er durch mehrere Gesetze die Mißhandlung der Indianerverbot, und die Vergehen der Statthalter und Beamten zu unter-suchen und ohne Nachsicht zu bestrafen befahl. Seine wohlgemeintenBefehle hatten aber, da er ihnen im Dränge vielfacher Geschäfte zuwenig Nachdruck gab, jenseits des Weltmeeres so geringe Wirkung,daß man ohne Scheu fortfuhr, Jagd auf die Eingebornen zu machenund sie durch die schweren Arbeiten in Bergwerken oder durch andereQualen zu vertilgen. Der Kaiser gedachte indessen dem so eifrigen