Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Philipp II., König von Spanien.

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sondern auch geheime Kundschafter, deren Briefe an seine Personadressirt waren. Ein Historiker dürfte wohl den Wunsch hegen, dieumfassende und durchdringende Kenntniß, die dieser König von seinerZeit hatte, mit ihm zu theilen. Philipp nun saß und las alle dieseBerichte und sammelte alle diese Nachrichten zu seinen Zwecken. Ererwog sie für sich. Schien es ihm gut, so theilte er sie einem oderdem andern seiner vertrauten Minister mit, wo nicht, so begrub ersie in ein ewiges Stillschweigen. So lebte er in vollkommener Ein-samkeit und doch mit der ganzen Welt gleichsam persönlich bekannt;abgeschieden von seinen Zeitgenossen und doch ihr Negierer; selberin einer beinahe bewegungslosen Ruhe, aber dabei Urheber von Be-wegungen, welche die Welt umfaßten.

Wenn nun aber gefragt wird, was als das Hauptbestrebendieser ganzen, ein langes Menschenleben hindurch nie rastendenThätigkeit anzusehen ist, so lautet die Antwort kurz: die Erhaltungdes katholischen Glaubens. Philipp selbst war ein strenggläubiger,der Kirche treu ergebener Katholik und hegte die feste Ueberzeugung,daß es sein Beruf sei, eine Säule der Kirche zu sein. Auf dieseIdee war seine ganze Politik gegründet, diese Idee gibt uns denSchlüssel zu allen seinen Unternehmungen. So sieht er in denMoriscos, die er besiegt, wie in den Türken, die Don Juan beiLepanto schlägt, vor Allem Feinde des Glaubens; in den Nieder-landen gilt sein Eifer vornämlich der Glaubensneuerung; dergleichen,wenn er die stolze Armada zur Eroberung Englands schickt, wenner Frankreichs Krone auf seinen Neffen und seine Tochter zu bringensucht, so überredet er sich, er thue Alles dieß zum Besten der katho-lischen Religion, ja zum Heile der Seelen. Diese religiösenMotive waren bei Philipp die vornehmsten, doch nicht die einzigen,denn sie wurden genährt und getragen durch politische Erwägungen.Hatte man doch seinem Vater vorgeworfen, daß er den deutschenProtestanten allzuviel Nachsicht bewiesen; bot Frankreich in denReligionskriegen das kläglichste Bild innerer Zerrissenheit dar; warhier in den Niederlanden und in Deutschland der Protestantismusder Haupthebel der politischen Opposition, so wird es erklärlich, wiePhilipp in der Einheit des Glaubens das einzige Fundament derRuhe und Ordnung des Staates erblickte und (wie auch Ranke an-erkennt) durch eine zwingende Nothwendigkeit dazu bestimmt ward,die Erhaltung des Katholizismus zur Hauptaufgabe seines Lebenszu machen.

Werfen wir noch einen Blick auf seine Staatsverwaltung, so