Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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II. Zeitalter Ludwig's XIV.

dem König allein, und demselben täglich werther winde, da sich ihregeistige und leibliche Pflege den Kindern, die er liebte, sehr Vortheil-haft erwies; diese selbst zogen sie der Mutter vor; — überdies; abervon der ruhigen Haltung, die auf das Bewußtsein untadelhaftcrFührung und anerkannter Verdienste gegründet, durch den Wieder-sehet» religiöser Ueberzeugungen, von denen Alles getragen wird,einen neuen Glanz erhält. In den Streitigkeiten zwischen den beidenDamen, die der König als Hausvater entscheiden mußte, nahm erzuweilen auch für die Erzieherin Partei, der es nicht entging, daßdieß sie weiter führen könne.

Es waren die Zeiten, in denen sich der König von einer neuenLeidenschaft für ein Hoffräulcin seiner Schwägerin von Orleans, daseben in dieser Absicht an den Hof gebracht worden sein soll, hatteergreifen lassen. Geist war es nicht, was ihn an sie fesselte, siehatte nur Schönheit und Lebenslust; sie glaubte vollkommen glücklichzu sein, als sie der König zur Dnchcsse von Fontanges erhobenhatte, und ihr alle Mittel, ein glänzendes und verschwenderischesLeben zu führen, gewährte. Sie hatte einst geträumt, sie werde, aufeinem Berge stehend, von einer plötzlichen Helle umlenchtet, die sicheben so plötzlich in ein tiefes Dunkel verwandelte; wie ihr ein Ka-puziner diesen Traum gedeutet hatte, so geschah ihr. Nach kurzemGlanz, schon im Begriff und in der Nothwendigkeit, sich zurückzuziehen,ward sie von einem frühen Tode hinwcggerafft.

Das liegt wohl am Tage, daß die Herrschaft der Frau vonMontespan sehr erschüttert war, wenn ein solches Verhältniß sichbilden konnte; die Stürme ehrgeiziger Leidenschaft und rücksichtsloserLaunenhaftigkeit, die der König darüber auszuhalten hatte, dientennun nicht mehr dazu, sie herzustellen. Sie mögen vielmehr bewirkthaben, daß ihm ein Umgang anderer Art Bedürfniß wurde. Ebendamals trat ihm Frau von Maintcnon näher. Sie hatte sich zu-weilen versucht gefühlt, den Hof zu verlassen; sowie sie aber bemerkte,daß sie Aufmerksamkeit und Gehör fand, war auch ihr Entschluß ge-faßt, zu bleiben und den König, wie sie sagte, zu Gott zurückzuführen.Sie sprach ihm von den Pflichten und Segnungen der Religion mitVorsicht und doch überzeugender Kraft, in Momenten, wo er ammeisten dafür offen war, ohne ihn zu drängen, ihm beschwerlich zufallen. Ganz im Gegentheil. Sie war noch einige Jahre älter alsder König, von dem Reiz der Sinnlichkeit kann bei ihr nicht die Redesein, aber sie konnte noch immer als eine schöne Frau gelten. Manbemerkte es als eine ihrer Eigenschaften, daß man nie eine Verän-