Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Ludwig XIV. als Kirchendespot.

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nur Gewalt über geistliche, nicht auch über weltliche Dinge über-tragen worden. Vollkommen wahr; allein es fragte sich nur, waszur geistlichen und was zur weltlichen Sphäre gehörte. GeradeLudwig XIV. zog Vieles, z. B. die so wichtige Ehcgesetzgebung, inden Bereich seiner Macht, was seit der ältesten Zeit zur geistlichenSphäre gehört hatte. Außerdem lag bei Aufstellung dieses Satzesder Gedanke nicht fern, daß bei eintretenden Zweifeln über die Gränzenbeider Gebiete der König und das Parlament zu entscheiden habe.

2. Ein allgemeines Konzil steht über dem Papst. Als dasKostnitzer Konzil einst diesen Satz aufstellte, hatte es zunächst nurden Fall des vorhandenen Schisma im Auge, denn außerdem kommtja der Charakter eines allgemeinen Konzils nur derjenigen Versamm-lung der Bischöfe zu, zu deren Beschlüssen auch der Papst mitgewirktund zugestimmt hat. War das Konzil über dem Papst, so lag esdann freilich nur an dem Könige von Frankreich, zu erklären, inwie-fern eine Entscheidung des Papstes einem allgemeinen Konzil gemäßsei oder nicht.

3. Die päpstliche Gewalt ist nach den bestehenden Canones zuhandhaben. — Vollkommen wahr und von den Päpsten selbst oftgenug ausgesprochen. Allein daraus folgt nicht, daß die Päpste nichtbefugt seien, die Canones abzuändern, wo Gründe dazn vorliegen.

4. In Glanbensfragcn hat der Papst das höchste Ansehen, dochist sein Ausspruch ohne die Zustimmung der allgemeinen Kirche nichtsweniger als authentisch. — Diese Frage, welche die ganze Kircheberührt, zu entscheiden, war der französische Klerus ganz und gar-nicht berufen. Allein dieser Artikel war zu Gunsten der Jansenisten,welche sich vor Allem bei Berufung und Beschickung der Synodethätig erwiesen hatten. Er setzte sie in den Stand, in ihrem Unge-horsame gegen die Entscheidungen der Päpste als nicht unfehlbar zuverharren, und dennoch für gute Katholiken zu gelten. Sie liefertenallmählig die Kirche der Herrschsucht des Staates aus, um ihremSecteneifer zu fröhnen, und verbanden sich hiezn mit den Parla-menten, welche den Beschlüssen der Synode eine Deutung gaben,welche Bossuct weit entfernt war anzunehmen oder vertheidigen zuwollen. Damit ward der Sieg des Janscnismus über Nom, derweltlichen Macht über die geistliche vollendet. Bossnet, welcher ge-hofft hatte, durch Nachgiebigkeit gegen die Wünsche des Königs zumBesten der französischen Kirche, das wirklich Wünschenswcrthe zu er-ringen, hatte den Artikeln die mildeste Form zu geben gesucht. Alleinin demjenigen, was er dem Könige gegenüber zu erreichen hoffen