Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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II. Zeitalter Ludwig's XIV.

derung ihrer Tugenden, von der sie Kunde erhalten hatte, ließ siesich aushändigen und warf sie in's Feuer. Ungeachtet dieser Ge-müthsrichtung erfüllte Eleonore ihre Pflichten als Gattin; sie gebarihrem Gemahl neun Kinder, deren erstes der kräftige und geistvolleJoseph war, sie legte Hand an in der Küche, sie Pflegte den Kaiserin Krankheiten mit der äußersten Sorgfalt, sie begleitete ihn auch indie Oper, nahm jedoch den Rahmen mit und nähete so eifrig, daßsie kein Auge auf das Theater wandte, oder las im Psalter. Dabeibesaß sie Kenntnisse und einen thätigen Geist, verstand die gangbarenfremden Sprachen, machte für den Kaiser, der nichts Französischeslesen wollte, deutsche Auszüge aus französischen Staatsschriften, derenKenntniß sie ihm für nützlich hielt, und ließ ein von ihr verfaßtesdeutsches Andachtsbnch drucken. Als bei dem Tode ihres älterenSohnes Joseph der jüngere Karl abwesend war, übernahm und führtesie unter sehr schwierigen Umständen die Regentschaft. Nach Been-digung derselben kehrte sie in ihre Abgeschiedenheit zurück, in der sieim Jahre 1719 starb. Ihrem Verlangen gemäß wurde sie ohneallen Pomp begraben, und auf ihren Sarg nichts als: Eleonore,eine arme Sünderin, mit der Angabe ihres Todestages gesetzt.

7.

Dü Türkrn bor Wien.

Langjährige kirchliche und politische Verwirrung in Ungarn hattein den letzten Jahren stets zugenommen. Während in Deutschlanddas Religionsintcresse nur noch im Innern der Staatsverwaltungenseine Geltung behauptete, die größern Verhältnisse der mächtigernReichsstände aber sich nach der Politik bestimmten, so daß oft geradeprotestantische Staaten mit dem Kaiser, katholische mit Frankreich undSchweden zusammenhielten, tobte in Ungarn der Bürgerkrieg in denscheußlichsten Gestalten des Glaubensstreites unausgesetzt fort. Nachdem Tode des Grafen Vesseleny trat der protestantische Graf Em-merich Tökely an die Spitze der Mißvergnügten, bemächtigte sickeines Theils von Oberungarn, knüpfte mit der Pforte Verbindungenan, und erlangte von der Gunst des unternehmenden GroßveziersKara Mustapha, dem der vergnügungslustige Sultan Mohammed IV.die Zügel des Regiments überließ, im Jahre 1682 Anerkennung alstributpflichtiger König. Vergebens hatte Leopold, dem Alles daranlag, freie Hand gegen Frankreich zu behalten, auf einem im Jahre1681 zu Oedenburg gehaltenen Reichstage die Beschwerden der Nation