Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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II. Zeitalter Ludwig's XIV.

Wclchcs Opfer wäre dieser Armee zu groß gewesen für ihren„wackern, tapfern, wachsamen Korporal John!" Durch Marlboronghbewerkstelligte Wilhelm III. die große Allianz des Kaisers und derSeemächte. Nach Wilhclm's Tode sah Marlborongh, daß dasWerk nur halb gethan wäre, wenn nicht in der Mitte von Deutsch-land der Hauptschlag geschah; er sah die Nothwendigkeit, zu diesemZwecke Alles aufs Spiel zu setzen. Es war kein Kleines bei derStimmung in dem tiefbewegten England; bei den bedenklichenHolländern, bei den übrigen Höfen den Plan, den er keinem Theil,selbst seiner Königin noch nicht enthüllen durfte, vorzubereiten; diemeiste Vorsicht war gegen Frankreich nöthig, damit ihm die Befehls-haber auf dem linken Rhcinufer nicht zuvorkamen. Nur Eugenkannte das Ganze. Sobald er mit diesem einig war, mußte der-selbe den Kaiser bewegen, die Königin Anna zu einem der Größeder Gefahr entsprechenden Beistände aufzufordern. Dieß geschahdurch den kaiserlichen Gesandten am britischen Hofe. Zwei Tagedarauf hatte Marlborongh schon den Auftrag, mit den General-staaten die Sache einzuleiten. Mit Mühe erhielt er von den nurum ihre Sicherheit besorgten Holländern die Einwilligung, den Feld-zug an die Mosel auszudehnen. Nachdem er sich hierzu allein diein ihrem Solde stehenden deutschen Truppen ausgebctcn, und seineSchaarcn mit allem Nöthigen versehen, trat er den raschen undkühnen Zug an die Donau an, während Tallard, nachdem er demKurfürsten von Bayern Verstärkung geschickt, an die Mosel eilte.In zehn Tagen war er zu Kastel, gegenüber von Mainz; hier zoger die Preußen, Hessen und Pfälzcr an sich. Auch die General-staaten entschlossen sich nun, ihm das dänische Hülfskorps nachzu-schicken. Zwölf Tage später traf er zu Maudclshcim am Neckar mitEugen zusammen. Hier sahen sich die beiden Helden zum erstenMal; die große Achtung, die sie schon in der Entfernung gegenein-ander gefaßt, gründete ein unauflösliches Freundschaftsbündnis^In das Hauptquartier kam der Markgraf Ludwig von Baden, derindessen auf dem obern Schwarzwalde den überflüssigen Beweis ge-führt, wie wenig die kaiserlichen und Krcisvölker in ihrer Zusammen-setzung, bei all seiner Umsicht, vermögend seien, die Bayern undFranzosen auseinander zu halten, oder sonst etwas Entscheidendes

genüge das zur Würdigung eines Mannes, „dessen großer Name," wie sich Macanlayausdrückt, „ein wunderbares Gemisch aus Schande und Ruhm" war. DeutscheGeschichtschreiber haben ihn ebenso unwahr gepriesen, als den wahrhaft edlen Tillyungerecht geschmäht.