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III. Zeitalter Friedrichs des Großen.
Feindschaft beizulegen und eine engere Verbindung beider Staatenzu schließen. Zu diesem Zwecke besuchte Kaiser Joseph II. im August1769 den König von Preußen, als derselbe nach Schlesien gereist war,in Ncisse. Friedrich II. erwiederte ein Jahr später der Besuch desKaisers in dessen Lager beim mährischen Orte Neustadt. In beidenZusammenkünften wurde über die polnischen und türkischen Angele-genheiten nicht nur im Allgemeinen unterhandelt, sondern es soll auchbei dieser Gelegenheit der Plan einer gemeinschaftlichen BeraubungPolens durch seine drei Nachbarmächte verabredet worden sein. DerZusammenkunft in Neustadt wohnte auch Kaunitz bei, auf welchen esbei diesem Plane besonders ankam, weil Maria Theresia voneiner solchen Gewaltthat durchaus nichts wissen wollte und nur mitder größten Mühe bewogen werden konnte, ihre Einwilligung dazu zugeben r)- Bald nach der zweiten Zusammenkunft des Kaisers mitFriedrich II. nahm des Letzteren Bruder Heinrich einen Besuch seinerSchwester, der schwedischen Königin, zum Vorwande, um ohne Auf-sehen auch nach Petersburg reisen, und dort das Nöthige mit Katha-rina verabreden zu können. Er blieb bis zum Januar 1771 inPetersburg, und brachte die Verhandlungen über die Theilung Polenszum Schlüsse. Doch dauerte es eine geraume Zeit, ehe Rußland,Oesterreich und Preußen sich über das Einzelne mit einander verstän-digten. Dieß geschah erst im Sommer 1773 durch einen am 3. Augustabgeschlossenen definitiven Vertrag. Indessen hatte man durchrussische Truppen die Confödcrirten zerstreuen und Polen besetzenlassen. Als der Theilungsvcrtrag geschlossen war, bemächtigten sichdie drei Staaten ohne Weiteres derjenigen Stücke von Polen, die sieeinander zugestanden hatten. Erst dann zeigte man den Polen undder übrigen Welt durch ein Manifest den begangenen Gewaltstreich an.Die in diesem Manifest angegebenen Beweggründe und Rechtfertigungengleichen ganz denjenigen, welche Bonaparte in seinen Deereten anzu-führen pflegte.
1) „Was ich bei Polens Theilung litt," sagte die edle Maria Theresia späterzum englischen Gesandten, „übersteigt alle Beschreibung; nie kann ich ohne Onalan eine Begebenheit denken, die mir das Leben zu kosten drohte. Ich widerstrebteviele Monate lang, forderte mehr, als ich glaubte, daß mir bewilligt werdenwürde. Ich würde den Tag der Zurückgabe des Genommenen für den glücklichstenmeines Lebens halten, vorausgesetzt, daß auch Rußland und Preußen auf ihrenAntheil verzichteten." Sie trat dem Theilungsvertrag mit den merkwürdigen Wortenbei: „INaoot, weil so viele große und gelehrte Männer es wollen. Wenn ich aberschon längst todt bin, wird man erfahren; was aus dieser Verletzung von Allem,was bisher heilig und gerecht war, hervorgehen wird."