Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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IV. Zeitalter der Revolution.

unerhörter Verachtung begegneten. Montgelas ließ nicht nur allesKirchcngut confisciren, sondern verbot auch den Bischöfen jeden Ver-kehr mit Rom und entzog ihnen wie die Besetzung der Pfründen, soden Unterricht des Klerus. Als Fürstbischof Emanuel von Trientund Fürstbischof Karl Rudolph von Chnr dagegen Verwahrung ein-legten, wurden sie von Staatswegen für abgesetzt erklärt, gefangengenommen und über die Gränze transportirt (24. Okt. 1807.)Dasselbe Loos theilten drei Priester, zwei andere wurden eingekerkertund erst durch den großen Aufruhr im Jahre 1809 wieder befreit;die übrigen beugten sich mit trauerndem Gemüthe. Auch das Volk,so sehr es ihm zu Herzen ging, blieb ruhig, obgleich die bayerischenExecntoren es durch die fabelhafteste Insolenz herausforderten. Derkönigliche Kommissär von Hofstetten redete die Geistlichen, die er hatteversammeln lassen, laut mit „Schurken" an. Unter dem Schutz undBeifall der Beamten, trieben die Juden in Innsbruck den schändlichstenUnfug mit den heiligen Gegenständen, die sie aus den geplündertenKirchen, namentlich aus dem reichen Stifte Wilten, erschachert hatten.Einer dieser Juden ertheilte, indem er mit einer großen Monstranz' durch die Straßen ging, den Vorübergehenden spottweisc den Segenund sein Weib bediente sich eines andern heiligen Kirchengefäßes zunoch größerer Unehrc. Hofstetten selbst hing einem Juden ein Meß-gewand um, und prügelte ihn dann zu allgemeinem Gelächter durch.Derselbe pflegte in den Kirchen, indem er sie ausleerte, Tabak zurauchen, die Abendmahlskelche auf eine schandbare Weise zu entweihenund Geistliche auf jede erdenkliche Art zu kränken. So empfing ereinst, zwischen zwei Buhldirnen sitzend, den Guardian von Meran,um sich an seiner Verlegenheit zu weiden. Und doch waren esspäter Mönche, die ihn vor der Volkswuth schützten und sein elendesLeben retteten.

Neben der Verspottung des Heiligen, dem Ausrauben der Kirchen,dem Niederreißen der Kapellen und Wegkrcuze, an die sich frommelind geschichtliche Erinnerungen knüpften, der Mißhandlung der vornVolke hochverehrten Geistlichkeit, war es hauptsächlich die ungewohnteRekrutirnng und das neue Steuer - und Abgabensystem, was dieTiroler tief erbitterte. Endlich war ihnen das bureaukratische Ver-fahren und die Polizei, das Eindringen fremder Schreiber undSchnüffler in ihr altes einfaches Gemeinde- und sogar in ihr Haus-wesen tödtlich verhaßt. Sie hielten aber geduldig aus, um zu rechterZeit gemeinsam loszuschlagen.

Im Dezember 1808 erhielt der Kaffeewirth Nessing in Botzen,