Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
JPEG-Download
 

622

IV. Zeitalter der Revolution.

vom Könige von Sachsen, den nun gezwungen sein Geschick an ihnband, zuerst nach Düben, um die Blüchcr'sche Armee zum Rückmärscheauf Berlin zu nöthigen, und als dieser Zweck nicht erreicht ward,nach Leipzig, wohin ihm die aus Böhmen hervorgebrochene Haupt-macht der Verbündeten folgte. In der Umgegend dieser Stadt ge-schahen nun vom 16. bis zum 19. Oktober die Schlachten, derenGesammtheit unter dem Namen: Völkerschlacht von Leipzig,alle künftigen Geschlechter zur Bewunderung und Dankbarkeit gegendie Tapfern verpflichtet, welche an diesem Tage gekämpft und geblutethaben, um Deutschland, um Europa von Bonaparte's eisernem Scepterzu befreien. Dreimalhunderttauscnd Mann war die Zahl der Ver-bündeten, zwcimalhunderttausend die des französischen Heeres, demjedoch die Einheit und Allgewalt des Bonapartischen Willens diesesMindergewicht der Streitkräftc hinreichend ersetzte. Welche Rücksichtenhatte dagegen Schwarzcnberg zu nehmen, welcher Künste, welcherSclbstverläugnung bedurfte es für Blücher, um den Kronprinzen vonSchweden, dem aus leicht begreiflichen Gesichtspunkten der Staats-künst an einer gänzlichen Aufreibung der französischen Macht nichtgelegen war, wenigstens zu einiger Theilnahme an dem großen Völ-kcrkampfe zu bringen! Dennoch war am 18. des Abends der Siegfür die Verbündeten entschieden und Napoleon beschloß für denandern Morgen den Rückzug aus Leipzig. Aber ehe die Armee den-selben völlig bewerkstelligen konnte, wurde die Stadt gestürmt undmit einer Masse von Verwundeten, Gefangenen und Geschützen ge-nommen, Tausende der Fliehenden sahen sich abgeschnitten, als hinterNapoleon die Brücke, welche den einzigen Weg zum Rückzüge bot,gesprengt wurde. Auf der Flucht durch die Elster ertrank der An-führer der Polen, Fürst Joseph Pvniatowski, des letzten Königs Neffe,der im Geiste seiner Landsleute sich dem Herrscher aus Frankreichals blindes Opfer ergeben hatte. Aber auch der Sieger lagen weitüber 40,000 todt oder verwundet auf dem Schlachtfelde.

Der König von Sachsen, dem Napoleon noch am 16. Siegcs-nachrichtcn geschickt hatte, sah sich am 19., als die verbündeten Mo-narchen in die Stadt gezogen waren, für einen Kriegsgefangenenerklärt und genöthigt, als solcher mit seinem Hofe und seinen Mi-nistern einstweilen seinen Aufenthalt in Berlin zu nehmen. DasLand wurde nun ernstlich für die deutsche Sache in Anspruch ge-nommen, unter Verwaltung eines russischen Gouverneurs besetzt,das Heer jedoch, unter eigenen Fahnen, zur Theilnahme am gemein-samen Kampfe bestimmt.