Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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IV. Zeitalter der Revolution.

Die Sache machte großes Aufsehen, hatte aber nur die Folge, daßeine strengere Bewachung eintrat.

Aber nicht auf Oesterreich allein richtete Napoleon seine geheimenBetreibungen, auch andern Mächten suchte er die Vortheile darzu-legen, deren sie im Bunde mit ihm, oder wenigstens durch Erhaltungdes Friedens mit ihm, theilhaftig sein würden. Gar leicht ließ sichermessen, welcherlei Verbindungen er zunächst hoffte herzustellen, aufwelchen Punkten seine Lockungen zumeist Erfolg haben könnten.Ueberall aber fand er seine Erwartung getäuscht, nur Murat alleinfolgte den unheilvollen Antrieben, denen schon längst sein eigenerHang unruhig vorgearbeitet hatte. Der Prinz Eugen Beauhar-nais, der wohl vielfache und dringende Mahnungen empfindenkonnte, sich dem Feldherrn, Vater und Kaiser anzuschließen, bliebseinem Worte getreu, Wien nicht zu verlassen, und verdiente dieZuversicht, welche namentlich der Kaiser Alexander in dasselbe setzte.Auch sah man gerade in dieser Zeit beide fast täglich Arm in Armauf der Bastei lustwandeln, und jeder Argwohn mußte hiedurch er-stickt werden. So hielten auch die Polen treu an dem Kaiser Alexander,und Napoleon fand bei ihnen kein altes Vertrauen mehr zu wecken,welches auch in Deutschland nirgends gelang, wiewohl der neue Zu-stand mancherlei Unzufriedene gemacht hatte.

Merkwürdig war es, daß Napoleon nicht verschmähte, auchseinen Feind Talleyrand mit Lockungen anzugehen, und daß er eineabermalige Umkehr desselben doch für möglich hielt. Der ihm durchFouchü zugefertigte Sendling Monteron, schlau, umsichtig, gerieben,sah jedoch bald, daß diese Stellung der Dinge in Wien unwiderruf-lich entschieden sei, und die Klugheit sich besser auf dieser Seite halte,als die entgegengesetzte suche.

Das tägliche Leben wogte unverändert, die gesellschaftlichen Strö-mungen, als wäre nichts vorgefallen, gingen ununterbrochen; aberin Betreff der Stimmung, des Betriebs der Geschäfte und der Rich-tung derselben bot alles ein ganz anderes Ansehen. Der wiedererstandene gemeinsame Feind stärkte die Eintracht unter den großenMächten, welche der Zwistigkeiten aufrichtig vergaßen und nur dengroßen Zweck vor Augen hatten, die revolutionäre Militärmacht inFrankreich nicht zu dulden. Die Verabredungen für den Krieg, dieRüstungen aller Art, die Anordnungen der Hecrmassen, der Truppcn-märsche, die Aufbringung der Hülfsmittel traten in den Vordergrund.Mit dem Herzoge von Wellington hielten die in Wien anwesendenhöchsten Militärpersonen der andern Mächte häufige Berathungen;