Louis Philipp der Bürgerkönig.
659
seiner Mutter, seinen Weibern, Kindern und wenig Getreuen nachFrankreich gebracht. Kaiser Napoleon III. schenkte ihm 1853 dieFreiheit, worauf er sich nach Brussa in Kleinasien begab. Währenddes Krieges in Algier waren auch die französischen Besitzungen imöstlichen Oceanicu erweitert worden, indem der ContreadmiralDupctit-Thouars am 1. Mai 1842 die Marquesasinscln inBesitz nahm. — Den Erinnerungen an eine glorreiche Vergangen-heit wurde dadurch geschmeichelt, daß mit Bewilligung Englands dieAsche Napolcou's von St. Helena geholt und am 15. December 1840mit großer Feierlichkeit im Dome der Invaliden zu Paris beigesetztwurde. Mit den auswärtigen Mächten wußte der König beständigFrieden zu erhalten. Zwar schien derselbe 1840 ernstlich bedroht,als in dem Kampfe Mehcmcd Ali's gegen den Sultan die vier Groß-mächte ohne Zuziehung Frankreichs einen Vertrag schlössen. Derdamalige französische Ministerpräsident Thiers ließ sofort zu Landeund zur See rüsten; das Heer wurde auf 639,000 Mann erhöhtund in einem Ultimatum vom 18. October drohte Thiers den ver-bundenen Mächten für den Fall der Absetzung des Vicekönigs mitKrieg, aber im entscheidenden Augenblicke weigerte sich der Königvon den Kammern Mittel zu ferneren Rüstungen zu fordern; Thiersmußte seine Entlassung nehmen, und Ludwig Philipp bildete einneues Ministerium, dessen Seele der gelehrte Protestant Guizotals Minister des Auswärtigen war, und das die Aufrechthaltungdes europäischen Friedens als das Ziel seines Strcbens erkannte.Guizot war 1787 zu Nimcs geboren, von wo seine Mutter nach derHinrichtung des Vaters 1794 mit ihm nach Gens geflohen war.Nach der Restauration stieg er schnell im Staatsdienste empor undLudwig XVIII., dem er bei Napoleon's Rückkehr nach Gent gefolgtwar, ernannte ihn zum Staatsrath. Später entlassen, hielt er ge-schichtliche Vortrage, und als die Verletzungen der Charte sich mehrten,trat er in die Gesellschaft „Xids-toi, Is viel t'aiäeru," deren Prä-sident er wurde. Im Jahre 1830 verfaßte er die Protestation gegendie Juliordonnanzcn und trug viel zur Erhebung des Hauses Orleansbei. Ludwig Philipp berief ihn wiederholt in's Ministerium, undseit 1840 -war er es, der im Einverständnisse mit dem Könige dieAngelegenheiten des Landes leitete. Aber bei dem Volke war erdurchaus nicht beliebt theils wegen seiner Hinneigung zu einem Bünd-nisse mit England, theils wegen seiner Starrheit und Schroffheit.Wegen der entschieden reaktionären Richtung, welche die Politik unterseiner Leitung nahm, und wegen der Dauer, welche sein Ministerium
42*