31S
den fremden Glaubensboten gehört und sie zur Niederlas-sung in seinem Reiche eingeladen haben mochte, aber erstlange nach seinem Tode, im Jahre 590, als sein BruderGuntram, der König von Burgund, noch am Lebenwar, siedelten sie sich auf dem Gebiete des Letzten, in denVogesen an; sie hatten also zuvor etwa 14 Jahre lang alswandernde Glaubensprediger im Frankenreiche gewirkt.
»Gallus war", urtheilt Rettberg (II., 46), »nach demältern Biographen bedeutend jünger als sein Lehrer (Co-lumban), da er als Knabe in dessen Zucht kam, zueiner Zeit, wo dieser schon eines ausgedehnten Rufes ge-noß, was mindestens einen Unterschied von zwanzig Jahrenvoraussetzt." Wer zu viel beweist, habe ich schon einmalgesagt, der beweist nichts, oder wie sich das Volk aus-drückt, allzuscharf haut nicht. Die Stelle, auf welche sichRettberg für seine Behauptung beruft, lautet wörtlich also:»Sein erstes Blüthenalter (primWvum Loren, ) auf derInsel Hibernien verlebend, wurde er (Gallus), da er schonvon den Knabenjahren an Gott angehangen und auf Er-lernung der edeln Wissenschaften sich gelegt hatte, auf denWink seiner Eltern dem ehrwürdigen Manne Columbanusempfohlen, d. h. übergeben". Findet nun hierin, möchteich fragen, Rettberg's Behauptung irgend einen Halt? Jafindet sie nicht hierin geradezu ihre Widerlegung? Ist nichtunter dem ersten Blüthenalter, Angesichts der gegenüber-stehenden Knabenjahre, welche durch die Worte: »ange-hangen und sich gelegt hatte", offenbar der Vergangen-heit überwiesen werden, hier das Jünglingsalter zu ver-stehen, keineswegs das Knabenalter? Ueberdieß muß mandenn, namentlich wenn man Lehrer ist, nothwendig schonein Fünfziger sein, um eines ausgedehnten Rufes zu ge-nießen? Was aber die Priesterwürde betrifft, auf welche