Band 
Sechster Theil.
JPEG-Download
 

L«

Bischof von Utrecht, schickte ihn als Sendboten des Evan-geliums in den Öfter go, die Gegend, in welcher Vo-ll ifacius gekrönt worden war, und nachher Will eh ad >gewirkt hatte, trennte aber dabei den Schößling nicht ganzvom Stamme, er legte dem Glaubensprediger des Nordensdie Pflicht auf, für die drei Herbstmonate seinen Sitz wie-der nach Utrecht zu verlegen und während dieser ZeitUnterricht an der dortigen Stiftsschule zu ertheilen.

Sieben Jahre lang bebaute Liudger im nordöstlichenFrisland den Weinberg des Herrn mit rastlosem Eifer,und während er aller Orten pflanzte und begoß, gab derHerr aller Orten das Gedeihen. Die ganze Nordküste vomFlevum bis zur Ems, und darüber hinaus bis zur Weser-mündung, wurde während dieses kurzen Zeitraumes, dererstgenannte Strich hauptsächlich durch Liudger's, derletztgenannte durch seines Freundes und Mitapostels Wil- >lehad Bemühungen dem Reiche Gottes einverleibt: dabrach jener Sturm über die junge Saat herein, von welchemder Leser im Leben Willehad's gehört hat. Wittekindrief im Jahre 782 das gesammle Volk der Sachsen zumallgemeinen Aufstande gegen seinen Dränger und Ueber-winder Karl den Großen auf und riß die ganze Be-völkerung des östlichen Frislandes bis zur Assel und zumFlevum mit in diesen Aufstand hinein. Liudger sah sichzur Flucht genöthigt. Er zog sich mit seinen Mitarbeiternnach Utrecht zurück; vorher aber traf er Maßregeln, daßseine junge Herde nicht mit einem Male gar aller Seel-sorge beraubt würde. Er hatte einen blinden Barden oderSänger kennen gelernt, mit Namen Bernles, und dem-selben durch die Kraft Gottes die Augen nicht nur desLeibes, sondern auch des Geistes aufgeschlossen. Den be-stellte er für die Zeit seiner Abwesenheit zu einem ge-