127
auch mit gewaltigen Riesenschritten dem Tode entgegen.Der Fluß mußte wieder mit seiner Quelle verbunden,die kirchliche Gewalt wieder von der staatlichen getrenntund an den apostolischen Stuhl zurückgegeben werden,oder die immer mehr vertrocknende Oase versank vollendsim unermeßlichen Sandmeer. Aber diese Trennung durftenicht bis zur Ehescheidung gehen, sie mußte ohne Nach-theil für das organische Zusammenwirken beider Gewaltenzn dem Einen Zwecke: der Verwirklichung des Chri-stenthums in der Staatsordnung ausgeführt wer-den. Dadurch zerfiel die Ausgabe dieser Verwirklichung,welche dem neuen Zeitabschnitte wurde, auf dessen Schwellewir mit der Thronbesteigung des karolingischen Hausestreten, in zwei einander wechselseitig einleitende und voll-endende Theile: die Grundlegung und Befestigungeiner Verfassung der bürgerlichen Gesellschaft,bei welcher die Trennung der Gewalten unbe-schadet der Einheit des Zwecks vorgenommenwerden konnte, und die Vornahme der Trennungselbst, die Ablösung der kirchlichen Gewalt vom Throneund Zurücknahme derselben an den Stuhl Petri, mitkürzern Worten, die Wiederherstellung der Selbst-regierung der Kirche. Beide Theile der Ausgabe er-forderten eine außerordentliche Kraft und Kraftanstrengung,aber der eine nahm mehr die Thätigkeit des Thrones,der andere mehr die Thätigkeit des apostolischen Stuhlesin Anspruch; darum schuf die göttliche Weltregierung fürjenen einen Karl den Großen, für diesen einen Niko-laus l. Der Eine wie der Andere ist der Repräsentantseiner Zeit und der Mittelpunkt, um welchen sich die Ge-schichte seiner Zeit dreht. Deßhalb lernen wir auch imLeben dieser beiden größten Persönlichkeiten ihres Jahr-